Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Angebot zur Reflexion der Tanzpraxis

Gerald Siegmund ist Professor des Masterstudiengangs "Choreographie und Performance" - "Wir hoffen auf Verstetigung" Bereits im zweiten Semester befindet sich der neue Gießener Masterstudiengang "Choreographie und Performance", dessen Professur mit dem Theater- und Tanzwissenschaftler Dr. Gerald Siegmund besetzt ist. Derzeit laufe das Bewerbungsverfahren für den zweiten Jahrgang. Aus 20 eingereichten Mappen hätte man zehn Bewerber zum künstlerischen Eignungsgespräch eingeladen, erklärt Siegmund bei einem Pressegespräch zur Vorstellung des Studiengangs. Siegmund war sieben Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter am Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaften (ATW), habilitierte dort und kehrte nun nach dreieinhalb Jahren als Professor für Theaterwissenschaft an der Universität Bern zurück. Vielleicht bleibt er aber nur für verbleibende fünf Semester, denn der Masterstudiengang, den Siegmund leitet, sieht einer unklaren Zukunft entgegen. Die ersten vier Semester werden aus dem "Tanzplan Deutschland" finanziert, einem 12-Millionen-Euro-Förderprojekt der Bundesregierung, das Ende 2010 ausläuft. Das dritte Jahr des Masterstudiengangs trägt die Justus-Liebig-Universität (JLU). Was nach 2011 wird und wie man bereits im nächsten Jahr mit Bewerbern umgehen soll, denen ihre Abschlussmöglichkeit rechtlich nicht zugesichert werden kann, ist laut Siegmund ungewiss. Erste Resultate seiner Lehrtätigkeit können sich bereits sehen lassen, wenn die beiden Studierenden des ersten Jahrgangs, Sebastian Schulz und Enad Marouf, ihre Soli "Untitled (Clown Piece)" und "Love The Bomb" im Rahmen des Gießener Tanz-Art-Festivals am 29. Mai ab 22 Uhr im TiL zeigen. Inwieweit auch Arbeiten von seinen Studierenden auf dem Gießener Festival "Theatermaschine" vom 17. bis 21. Juni zu sehen sein werden, konnte Siegmund beim Pressegespräch noch nicht sagen. In keinem Falle geht es ihm um das Erlernen von konventionellem Bühnenhandwerk. Ähnlich des ATW-Konzeptes sollen in "Choreographie und Performance" wissenschaftliche wie künstlerische Methoden konstruktiv vermittelt werden. "Das Berufsbild der Tänzer und Choreographen hat sich in den letzten Jahren enorm verändert", erklärt Siegmund, der den Masterstudiengang vor allem als Angebot zur Reflexion choreographischen Schaffens und der Tanzpraxis sieht, um "mit Kollegen, Veranstaltern und der Öffentlichkeit überhaupt ins Gespräch über Tanz zu kommen". Zudem ist der Masterstudiengang unter dem Dach der Hessischen Theaterakademie eine Kooperation mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst und dem Tanzlabor 21 des Künstlerhauses Mousonturm in Frankfurt. Für die notwendigen Praxismodule können die derzeit fünf Studierenden alle Kurse des Studiengangs "Klassischer und zeitgenössischer Tanz" dort besuchen. Auch an Projekten von Gastprofessoren der ATW wie jüngst Mathilde Monnier, Tom Lehman oder demnächst wieder Xavier Le Roy können Studierende teilnehmen. Dabei macht Siegmund klar, dass er selber kein Tänzer, sondern Wissenschaftler sei und es hier nicht um eine klassische choreographische Ausbildung unter dem Motto "ich erfinde Schritte zur Musik" gehe. Vielmehr sollten bereits mit einem Bachelor oder Diplom versehene, angehende Künstler die Möglichkeit erhalten, Ideen zu entwickeln und zu reflektieren. Eine dramaturgische Begleitung bietet Siegmund dabei auch zusammen mit Regisseur und Komponist Heiner Goebbels an, dem Direktor des ATW-Instituts. Dass der Masterstudiengang "Choreographie und Performance" heiße, trage vor allem den Entwicklungen des zeitgenössischen Tanzes seit den 60er Jahren bei, der sich vielfach zur Bildenden Kunst geöffnet habe, wo Formate wie Happening und Performance ihrerseits wiederum versucht haben, an die Darstellenden Künste anzuknüpfen. "Novum mit Seltenheitswert"Neben den Universitäten in Berlin mit ihren "Performance Studies" und dem "Zentrum für Tanz" sowie der "Bewegungsforschung" an der Universität Hamburg sei das Gießener Modell durchaus ein Novum mit Seltenheitswert. "Wir hoffen auf Verstetigung", meint Siegmund im Blick auf die Evaluierung im nächsten Jahr und die Semester danach. Der Fortbestand des Studiengangs, der für das kulturelle Leben Gießens, Mittelhessens und des Rhein-Main-Gebiets in jedem Fall eine Bereicherung wäre, sei laut Siegmund derzeit noch offen.