Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Choreografie für Fortgeschrittene

Offiziell gibt es den neuen Master-Studiengang »Choreografie und Performance« am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft seit Oktober 2008, mit der eigentlichen Lehre konnte Prof. Dr. Gerald Siegmund (geb. 1963) erst im Januar beginnen, da er noch Verpflichtungen am Institut für Theaterwissenschaft in Bern hatte. Siegmund kehrte damit an das Institut zurück, an dem er zwischen 1998 und 2005 wissenschaftlicher Mitarbeiter war und sich auch habilitierte. Am Dienstag lud er zu einem Pressegespräch ein, um diesen deutschlandweit zwar nicht einmaligen, aber doch besonderen Studiengang vorzustellen. Nur in Berlin und Hamburg wird - außer wie jetzt in Gießen - noch Choreografie gelehrt. Ermöglicht wurde die Einrichtung der neuen Professur in Gießen durch Tanzplan Deutschland, eine Initiative des Bundes, bei dem Regionen aufgefordert wurden, den Bereich Tanz strukturell, also langfristig zu installieren. Seit 2006 gibt es für die Rhein-Main-Region das Tanzlabor 21, das im Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt verortet ist. Gemeinsam mit den anderen beiden Institutionen, die sich in Frankfurt für Tanz engagieren, die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK, Leitung Tanz: Prof. Dieter Heitkamp) und die Hessische Theaterakademie (Prof. Heiner Goebbels, Uni Gießen, Angewandte Theaterwissenschaft), entstand schnell die Idee, auch eine Stelle einzurichten, an der Choreografie gelehrt wird. Prof. Goebbels setzte sich dafür ein, dass diese nach Gießen kam, an das Institut für Theaterwissenschaft, wo seit 26 Jahren die Verbindung von Theorie und Praxis das grundlegende Konzept ist. Den praktischen Teil der Ausbildung nehmen die Studierenden an der HfMDK wahr, den theoretischen an der Uni Gießen. In Gießen werden auch die Projekte erarbeitet, die ersten Produktionen sind während des Festivals TanzArt ostwest (GAZ vom Dienstag) im Theater im Löbershof zu sehen, und zwar 29. Mai ab 22 Uhr. Fünf Studenten pro Jahr Die Studierwilligen müssen sich für den Master-Studiengang einem Auswahlverfahren unterziehen wie in allen künstlerischen Bereichen, auch ist die Gruppengröße mit fünf Studierenden pro Jahr sehr überschaubar. Bislang haben sich hauptsächlich Tänzer beworben, die über einen Abschluss und Tanzpraxis verfügen, die in einem Studium nun über den Tanz auch reflektieren, seine Geschichte, Theorie und Analyse lernen wollen. Das Berufsbild hat sich verändert. Prof. Siegmund kann sich für die Zukunft gut vorstellen, dass auch von der anderen Seite Interessenten kommen, also Wissenschaftler, die sich der Praxis annähern. Einziger Wermutstropfen: die Finanzierung der Professur ist auf drei Jahre befristet, dann wird sich zeigen, ob die Universität Gießen sich diesen Bereich weiter leisten kann und will. Zunächst einmal können sich Tanzinteressenten auf spannende zwei Jahre freuen.