Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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morbus helveticus


Abschluss-Performance von Friederike Schmidt-Colinet (Angewandte Theaterwissenschaft, JLU Gießen)

Als Wortschöpfung des Schweizer Arztes Johannes Hofer betritt der Begriff „Nostalgie“ (lat. morbus helveticus) im 17. Jahrhundert die medizinische Fachliteratur. Es handelt sich bei der „Schweizerkrankheit“ um die krankhafte Sehnsucht nach Rückkehr in die Heimat. In einem frühen Stadium hören die Betroffenen vertraute Stimmen in den Stimmen fremder Menschen. Im weite- ren Krankheitsverlauf verlieren sie die Fähigkeit, zwi- schen Vergangenheit und Gegenwart zu unterscheiden, sie fantasieren, sie sehen Geister, ihre Körper werden kraftlos und ausgemergelt. Die Krankheit kann tödlich enden.
Mit ihrer Performance morbus helveticus gibt sich auch Friederike Schmidt-Colinet der Sehnsucht nach Heim- kehr hin. Allerdings ist schwer zu fassen, wo diese Heim- kehr zu verorten ist. Wie dienen klischierte Erzählungen von Heimat als Vorlagen für die eigene Identität und
wie kann diesen Erzählungen entgangen werden? Wie entstehen Gefühle von (Nicht-)Zugehörigkeit, bis wohin identi ziere ich mich und ab wann grenze ich mich ab? Und wie entsteht auf diesem wackeligen Fundament ein Zuhause?