Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Trauer tragen (Ursendung der Hörspielfassung)


„Trauer tragen“ verbindet die handwerkliche Technik des Blumenbindens mit den rhetorischen Techniken des Nachrufs. Schock, Kontrolle, Regression und Anpassung: Trauerfloristik bildet hier eine Form von Trauerarbeit, mithilfe derer ein Trauerprozess durch alle Phasen vollzogen wird. 
Das Blumenbinden geht einher mit einer Beschreibung des floristischen Tuns. Die floristische Sprache setzt Assoziationen in Gang, die nicht auf dem Friedhof enden und Räume jenseits des zu Betrauernden eröffnen. Erst durch die Arbeit am leblosen Schnittblumenmaterial werden Anlässe zum Gedenken und damit vieldeutige Tode hergestellt. 
Das akustische Arrangement der Blumen ist auch eine Anleitung für den Hörer und lädt zum Mit- oder Nachmachen ein. Mit floristischer Expertise kann so in jedem Haushalt ein personalisiertes Trauergesteck entstehen: Zypresse, Salal und Efeu bilden die grüne Basis für das formstrenge Wechselspiel von roter Nelke und leuchtendgelber Chrysantheme. Das dekorative Arrangement wird durch die wuchshaft-vegetative Wiederkehr der Lilie unterbrochen, ehe die dunkelrote, fast schwarze Rose das floristische Werk zum vorläufigen Abschluss bringt.

Ur-Sendung des Hörspiels zur gleichnamigen Lecture-Performance.

Regie, Sprecher: die Autoren

Sounddesign: Katharina Stephan

Technische Realisation: Rike Wiebelitz und Anne Lucht

Assistenz: Anne Heringhaus

Dramaturgie: Christina Hänsel

Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunk Köln 2012