Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Cubox 3:3 - Eine Multi-Monitor-Performance für drei Fernseher, drei Kameras und drei Tänzer


20. Oktober 2005 (Diskursfestival05)

Eine feine Membran hält das Auge des Betrachters davon ab, sich wirklich sicher sein zu können, was dahinter passiert. Sie öffnet und schliesst sich in Intervallen. Was entsteht, ist ein Zwischenraum, eine Kette von Intensitäten, die unaufhörlich in ihrer Nuancierung zwischen zwei Zuständen changiert: AN UND AUS.
Das Verhältnis von Teleraum und Bühnenraum wird ins Wanken gebracht. Eine Abwesenheit im Sichtbaren, weil man auf beiden Seiten nicht ankommt. Das, was real auf der Bühne passiert, ist nicht präsenter als das, was man in Ausschnitten auf der Mattscheibe zu Gesicht bekommt. Rohmaterial dessen, was man auf den Bildschirmen sieht, ist die vermeintliche „Präsenz“ des Live-Raums. - Liveness als etwas medial Vermitteltes. Der Körper erscheint nur in den Bildern, die er von sich produziert.

„Wenn es stimmt, dass die heutige Kunst .. die Frage nach dem Ort des Körpers neu und anders stellt, dann geschieht dies bewusst als hybride Performierung bzw. Perforcierung der vermeintlichen Leibunmittelbarkeit des Körpers.“ (Georg Christoph Tholen)

Der Körper als gesampelter Körper. Ohne Unterlass kommt er näher und entfernt sich. Jemand hat vergessen, auf der Fernbedienung die Zoomtaste loszulassen. Und plötzlich ist alles ganz nah, extrem weit weg, ein Loop aus Nähe und Distanz.
Fragile Leiberfahrungen, zwischen denen gezappt wird. Die ebenso schnell verschwinden wie sie auftauchen. Das Bild franst an den Rändern aus und flieht in alle Richtungen. Der Rahmen schwappt weg. Posen und stereotype Gesten werden in ihrer Multiplizierung zur Implusion gebracht, fallen in sich zusammen, werden gecuttet, gepastet, vor– und zurückgespult, angehalten, beschleunigt, verlangsamt, in einen rasend schnellen Freeze verwandelt. In der raschen Aufeinanderfolge ausgehöhlt und ihrer Bedeutung beraubt.

„Die Welt der Kunst besteht aus drei Faktoren:
1)Eitelkeit
2)Exklusivität
3)Schönheit
Selbstverständlich kann die Videowelt nur mit der dritten Sache aufwarten... Schönheit, nicht aber mit Eitelkeit oder Exklusivität, da Video essentiell ein multipolitisches und deshalb >demokartisches< Medium ist.“ (Nam June Paik)

Eine Kooperation zwischen dem Institut für Angewandte Theaterwissenschaft und der Tanzcompagnie Giessen im Rahmen der hessischen Theaterakademie.