Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Breaking News


Breaking News - Installation im Rahmen BÜCHNER International 22.-30.06.2013


Nachrichtenbilder suggerieren dem Empfänger für die kurze Zeit ihrer Ausstrahlung ein
unmittelbares Verhältnis zu Zeit und Raum ihres Dargestellten. Noch stärker gilt dies für
Nachrichtenformate, die jederzeit und online verfügbar sind. Wir können beobachten, dass sich das Format der NoComment - Nachrichten zunehmender Beliebtheit erfreut. Diese unkommentierten Ausschnitte, versehen mit Ort und Zeitangabe, evozieren in noch stärkerem Maße Authentizität, als der Reporter in der Live – Schaltung. In gleichem Maße aber versetzen diese Embleme den Empfänger in die Position des Rätselnden, der sich seiner Gegenwart selbst gewiss zu sein hat. Sie kontextualisieren nicht über das Abgebildete hinaus, noch geben sie ihre Quelle preis. Dieser ambivalente Charakter wissender Unwissenheit, der den Betrachter als stummen Zeugen zurück lässt, ist Teil unserer künstlerischen Auseinandersetzung.

Zu Beginn dieser Auseinandersetzung jedoch steht die Frage: Was ist ein Bild und was vermag es?
Seit Jahrtausenden gibt es die Gegenüberstellung zweier Konzepte: Das des Schattenbildes und das des Spiegelbildes. Der Schatten ist mit dem, was er zeigt, sicher nicht zu verwechseln. Er sieht dem, der ihn wirft, mindestens so unähnlich wie ähnlich. Er zeigt nur, dass ein Körper im Raum ist. Die Legende der Erfindung der Malerei erzählt von einer Frau, die den Schatten ihres Mannes an der Wand abzeichnete, bevor er kurz darauf im Krieg stirbt. Es bleibt nichts Ähnliches, aber immerhin bleibt etwas, ein Zeichen. Das Spiegelbild hingegen lädt ein, dass man es mit dem Leben verwechsle. Es zeichnet aus, dass man es nicht nur für ein Zeichen hält, sondern sagt, es ist mehr als das. Ein Bild, dem man die ganze metaphysische Kraft und den Glauben unserer Kultur zubilligt.

In unserer Installation Breaking News arbeiten wir auf vielfältige Weise mit diesen zwei Konzepten.
Wir scannen tagesaktuelle NoComment - Filme verschiedener Nachrichtenagenturen ein und
projizieren diese auf eine mehrteilige, durch Motoren in Rotation versetzte Spiegelfläche und damit an die Wände des Raumes. Durch den Scanvorgang erhalten wir farblose Bilder, in denen sich die Bewegungen, sowohl des bewegten Bildes, als auch die des Scanner eingeschrieben haben. Durch die nachträgliche Projektion werden diese Bilder wieder durch eine virtuelle Kamerafahrt und durch die sich bewegenden Spiegel in Bewegung versetzt. So wird der Raum zu einer Art Jenseits, zur Kehrseite, zu einer Schattenwelt der tagesaktuellen Nachrichtenbilder. Das Projizierte, teilweise noch zu erkennen, nur in seiner Gesamtheit nicht mehr auszumachen, führt die emblematische Beziehung ad absurdum. Dem Prozess der Re - konstruktion des Inhalts, der projizierten Bilder, geht nun, eine in Gänze unmögliche, Re - konstruktion des Signifikanten voraus.

Gefördert durch Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main, Evonik Industries AG, Zentrum für Medien und Interaktivität Giessen, Hessische Theaterakademie, Institut für Angewandte Theaterwissenschaften, Festival Büchner International

Ort: EG Commerzbankfiliale Johannesstraße 17 in Gießen

www.schoenberg-company.de