Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Silent Movie


Die Lesbarkeit und Deutung von Höhlenmalereien ist kunstwissenschaftlich umstritten. Interpretationsansätze reichen von religiösen Motiven der Urheber über spezielle Initationsriten des Schamanenvolkes bis hin zum bloßen Daseinsbeweis der Maler an einem besonderen Ort, in einer besonderen Höhle.

Annett Lang wird in der Nacht vom 9. auf den 10. Dezember in die Muar–Galerie einziehen und sie – mit Bleistift und Anspitzer – in eine Bilderhöhle verwandeln. Am Tag des 10. Dezember öffnet Lang den Galerieraum und lädt Besucher ein, den fortlaufenden Prozess des Zeichnens zu verfolgen und über die entstehenden und entstandenen Arbeiten zu sprechen.

Welche Bilder werden in der Nacht an die Wände gebracht? Wie ändern sie sich in der Anwesenheit eines Besuchers? Und wodurch ist die Auswahl der Motive, die die Künstlerin beim Zeichnen trifft, bedingt? Sind die Bilder Zeugnis der Schlaflosigkeit und der Furcht, eine Nacht alleine im Keller eines leerstehenden Bettenhauses zu verbringen? Oder ist die Auswahl vielmehr vom Wissen um die bevorstehende Öffnung des Raumes für Besucher beeinflusst?

Die Interpretation prähistorischer Bilderhöhlen zeigt die Problematik auf, die Annett Lang in ihrer Arbeit zu thematisieren sucht: Die Konfrontation zweier symbolischer Systeme, das Aufeinandertreffen der Welt des Bildes und der Zeichnung mit der Welt der Sprache und des Textes. Die Galerie wird im Prozess transformiert: In der Nacht wird sie zu einem Raum, der über eine andere Zeitlichkeit verfügt und in dem spontan zeichnerische Entscheidungen getroffen werden. Am Morgen danach, in der Nüchternheit des neuen Tages, wird er dann in die Muar-Galerie re-transformiert, in der die Zeichnungen als Zeugnis einer künstlerischen Position zugänglich gemacht werden.

alle Informationen, weitere Austellungstermine und Details:
muargalerie.de