Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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exit Lear


"Lear: Kennt mich jemand hier? Dies ist nicht Lear: Geht Lear so? Spricht er so? Wo sind seine Augen? Wer kann mir sagen, wer ich bin?"

Shakespeares "King Lear" erzählt die Geschichte eines Zerfalls. Der König, den wir in der ersten Szene des ersten Aktes noch im Vollbesitz seiner geistigen, weltlichen und sprachlichen Macht erleben, verwandelt sich nur wenige Momente später in ein ausgesetztes, umherirrendes und unmittelbares Wesen: in einen gefallenen Herrscher, in einen ratlosen und rastlosen Wanderer im Sturm, in eine dramatische Figur, die sich durch das konstituiert, was sie nicht mehr ist.

Lear gerät in das Niemandsland zwischen seinen zwei Körpern: zwischen den König namens Lear und den Sterblichen namens Lear. Was ist Lear dort? Ist der gefallene Lear identisch mit dem, der einmal geherrscht hat? Ist der bestrafte Lear wirklich der schuldige Lear? Was ist ein Mensch nach dem Verlust seines gesellschaftlichen Status? Was ist ein Schauspieler nach dem Verlust seiner Rolle auf der Bühne?
Was ist eine Figur außerhalb der Aufführung? Und wie kann die Bühne einen nutzlosen Körper beherbergen?

"In "Exit Lear" lässt die Regisseurin, Klang- und Videoperformerin Luise Voigt Shakespeares berühmten König in viele Teile zerfallen und mit ihm gleich alle dramatischen Ebenen. Die Bühne zersplittert in sich, die Rollenaufteilung taumelt konsequent zwischen Spiel und Technik, der Unter- wird zum Überbau und umgekehrt. Lautsprecherkabel ersetzen Bühnenbild und letzte Kostümierung und das Publikum wird seinerseits solange seziert, bis schließlich auch die Scheinwerfer die Richtung wechseln."
Badische Zeitung 2.September 2011

"Es sind einprägsame Bilder, die Voigt mit ihrem Team schafft, und sie verraten, wie ihr Umgang mit dem Licht, eine echte Theaterbegabung."
Basellandschaftliche Zeitung, 3. September 2011

"Die Giessener Gruppe aus Klang-, Video-, und Performancekünstlern hat Shakespeares Klassiker unter der Regie von Luise Voigt originell und eigenwillig adaptiert. (...) Die ausgereifte Dramaturgie fokussiert sich ganz auf das Spannungsfeld zwischen der repräsentativen medialen Verkörperung des Königs und dem entkleideten, unspektakulären Körper eines durchschnittlichen Menschen. (...) "Exit Lear" gelingt damit nicht nur eine erfrischende Umsetzung des Shakespeare-Klassikers, sondern auch eine anspruchsvolle Reflexion über ganz aktuelle politische Belange."
tagesanzeiger.ch, 3. September 2011

"Voigt und ihre Mitstreiter aus der Giessener Szene schälen präzise einen spannenden Themenkomplex aus "King Lear" heraus und übersetzen ihn aufwendig mit den Theatermitteln, nach denen er verlangt. Ungeklärt bleibt, ob in dieser Welt als Theater die Technik eine Metapher für das Beziehungsgewebe oder ob sie ein Gewaltmittel ist."
Basler Zeitung, 7. September 2011

In "Exit Lear" widmen wir uns dem klassischen Shakespeare-Stoff und fokussieren uns dabei auf die Frage nach den Strukturen der Macht und nach der Rolle und dem Wert einer Person nach seinem gesellschaftlichen Absturz. Hierbei wird nicht nur Lear seines königlichen Amtes enthoben, sondern auch der Schauspieler auf humorvolle und gleichsam grausame Weise zu Fall gebracht. "Exit Lear" wird so zu einer konkret politischen Verhandlung der Macht der Zuschauer, der Medien und der Selbstdarstellung.

"exit Lear" ist eine Produktion von Luise Voigt mit freundlicher Unterstützung des Instituts für Angewandte Theaterwissenschaft Giessen, der Hessischen Theaterakademie gemeinsam mit Treibstoff 2011 - Theatertage Basel und dem Hessischen Landestheater Marburg.