Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Bewegungsskizzen nach Oskar Schlemmers Raum- und Körperkonzept

f i g u r a u m ist das Ergebnis eines 6-wöchigen Tanzworkshops, der sich mit einzelnen Aspekten des Körper- und Raumkonzepts des bildenden Künstlers und Theaterreformers Oskar Schlemmer beschäftigte. Um das Verhältnis Mensch-Raum zu definieren, erarbeitete Schlemmer eine Theorie, nach der es möglich sei, den Menschen als dualistisches Wesen ("Organismus aus Fleisch und Blut - Träger von Maß und Zahl") in den toten, abstrakten Raum zu integrieren. Wie dies vonstatten gehen kann und welche Auswirkung das auf die Bewegung des Menschen im Raum hat, war Thema des Workshops. Man arbeitete sich sozusagen an dem Problem der Unvereinbarkeit von Mensch und Raum ab.
Es geht bei der Aufeinanderfolge der Bewegungsbilder in f i g u r a u m vor allem um den Kampf des Körpers gegen den bzw. mit dem Raum und den formalen Elementen Licht, Form, Farbe, Material, eine physische Bemühung, die (nach Schlemmer) für die Eingliederung des Menschen in den Raum erforderlich ist. Durch das Experimentieren mit Schlemmers theoreti-schen Ansätzen entstanden Bewegungsskizzen, die versuchen, zum einen seine Theorie zu rekonstruieren, zum anderen einzelne Ansätze in eine neue Richtung weiterzuentwickeln. Der Abend besteht aus drei unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten:
1. Die Körperpanzer des Triadischen Balletts: Beeinflussung des Tänzers durch die Materialität der Kostüme
2. Geometrische Körper: Analyse von Körpern durch Ausmessen, Übersteigern, Nachzeichnen und Beobachten.
3. Der geregelte Raum: Untersuchung der Gesetzmäßigkeit des Raums;
4. Raumerlebnis durch Akustik, Optik und Raummessung.

f i g u r a u m: 3 Tänzerinnen sehen sich mit ihrer (durch Körperpanzer) eingeschränkten Bewegungsfreiheit konfrontiert/ zwingen sich zur virtuosen Handhabung gymnastischer Geräte/ hängen in Gummiseilen wie Marionetten/ ringen um ihr Gleichgewicht/ werden vom Licht gejagt und versuchen, es wiederum einzufangen. Es ist eine ständige Suche, ein Bestehen auf einen angemessenen Platz in der Hierarchie des Bühnenraums.

Regie/Choreografie: Juliane Scherf
Tänzerinnen: Tessa Jahn, Astrid Matron und Linda Mazzone
Kostüm/Bühne: Juliane Scherf
Assistenz und Ton: Friederike Kenneweg
Licht: Christian Flierl
Videobearbeitung: Csongor Dobrotka