Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Für eine bessere Welt (Roland Schimmelpfennig)


Werkstattaufführung

„Für eine bessere Welt“
Von Roland Schimmelpfennig.

„Die haben uns vergessen. Die haben einfach vergessen das wir hier draußen sind.“

„Seit dem Versorgungsengpass mit Dexedrin greifen wir auf Koffein zurück. Wir nehmen Koffein in allen möglichen Formen zu uns: Tabletten, Coca Cola, meistens Kaffee. Kaffee ist eine Grundvoraussetzung für die Fortdauer unseres Überlebens geworden, besonders Kaffe in Dosen: Das sind schwarze, länglich schlanke Dosen, die sich ungeöffnet fast unbegrenzt aufbewahren lassen: Sie enthalten ein gesüßtes Getränk auf Espresso-Basis. Diese Dosen führen wir bei uns wie Munition.“

Das Erzähltheaterstück spielt weder zu einer konkreten Zeit noch an einem konkreten Ort, heute oder in der Zukunft. Es herrscht Krieg überall oder nur in Afrika. Warum er geführt wird, ist schon lange nicht mehr relevant. Verlorene Ziele in der Wüste. Soldaten, vergessen im Dschungel. Menschen auf das Soldatsein reduziert, kämpfen ums Überleben. Alles ist unwirklich, sinnentleert, denn die Bedrohung ist real und hat doch kein Gesicht.

„Dieser Raum kann gar nicht existieren: Er ist das Auge des Sturms, Tag und Nacht sind hier gleich, es ist immer dunkel, und im Dunkel leuchten die grünen Radarschirme, die Karten, die Computer, die Leuchtdioden, die durchleuchteten Karten mit den roten Linien. Es ist so still, dass das Surren der Lüftungen in den Computersystemen zu hören ist.“

Wir nehmen euch mit in die poetischen Welten Roland Schimmelpfennigs. Wir bringen Bilder zum Klingen. Es entsteht ein verworrener Knoten aus Sprache, Sounds, Musik und Bildern.

„Schimmelpfennig weigert sich einfach, Verständlichkeit als Wert an sich anzuerkennen, direkte Heutigkeit als Maxime zu akzeptieren, Anschlussfähigkeit als künstlerischen Imperativ zu begreifen. Er will die Schönheit des Rätsels nicht einer schnellen Lösung opfern. Vielleicht könnte man sagen, das Rätsel ist die Lösung, wenn das nicht auch schon wieder viel zu stimmig wäre.“ (Peter Michalzik)

Mitwirkende: Simone Dede Ayivi, Marie von Borstel, Aljoscha Domes, Patrick Ernst, Uli Haug, Katharina Kellermann, Phin Spielhoff, Elisabeth Trümner und andere