Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
MENU
DE EN

F wie Fälschung (nach Orson Welles). Ein Abend von und mit Malte Scholz


Konzept, Bühne, Regie: Boris Nikitin (Alumnus ATW)/ Darsteller, Texte: Malte Scholz (ATW)/ Dramaturgische Mitarbeit: Kris Merken (ATW)/ Technik: Johanna Seitz (ATW)


Eine Produktion von Boris Nikitin
Koproduktion: Festival PLATEAUX, Mousonturm
Gefördert aus Mitteln der Hessischen Theaterakademie und der Stadt Gießen.
Mit Unterstützung des Instituts für Angewandte Theaterwissenschaft Gießen.



F wie Fälschung ist die Diplominszenierung von Boris Nikitin und wurde 2008 im Rahmen des Festivals plateaux uraufgeführt. 2009 wurde F wie Fälschung als eine der 10 bemerkenswertesten, freien Theaterproduktionen zum Festival Impulse eingeladen, wo sie mit dem Dietmar N. Schmidt-Preis für eine herausragende künstlerische Leistung ausgezeichnet wurde.



Orson Welles Doku-, Spiel- und Experimentalfilm „F for Fake“ verhandelt mit den Geschichten über Elmyr de Hory (Kunstfälscher ) und den Schriftsteller Clifford Irving, (Verfasser einer gefakten Howard Huges Biografie) die Themen Betrug, Täuschung und Magie. Sie durchziehen das gesamte Werk des Regisseurs.
Boris Nikitins Inszenierung und Malte Scholz Performance „F wie Fälschung (nach Orson Welles)“ fragen nach der Zuverlässigkeit dessen, was wir auf der Bühne sehen. Ist nicht die Lüge gerade im Theater immer schon Teil einer stetig ‚Wirklichkeit’ produzierenden Maschine? Gibt sich nicht jede Illusion auf der Bühne als Realität und ist nicht zugleich jede Form des Realen oder Authentischen immer nur die Repräsentation ihrer selbst? Im Theater wird immer gelogen und zugleich immer die Wahrheit gesagt. Ist das, was der Performer Malte Scholz sagt und tut, wahr?
Das Publikum kann sich trotz seiner Kenntnisse um die Codes des Theaters und trotz seines Wissens um die Mechanismen und Techniken der Wahrnehmung nur auf seine Zweifel verlassen.

"Quand on dit la verité, on doit être éxecuté" (Elmyr de Hory)



Presse:

„Eine krudere Mischung aus akademischer Inspiration und dem Gestus akademischen Vatermords, aus Banalitäten als Köder und falschen Spuren von äußerstem Raffinement, Offenlegen der Konstruktion und plump-sinnlichem Übertölpeln der gewarnten Zuschauer durch sinnliche Reize, Repräsentationskritik à la Derrida und ungebremstem Rücksturz in die Figur scheint unvorstellbar. Als szenisches Nachdenken über die uneinholbaren Versprechen der Illusions – und Lügenmaschine Theater ist das kaum zu überbieten.“
(Frankfurter Allgemeine Zeitung)


„Als absolut überzeugende Meta-Autonome polieren der Regisseur Boris Nikitin und sein begnadeter Performer Malte Scholz mit 'F wie Fälschung' das Image eines politischen Ladenhüter-Themas wie 'Medien und Manipulation' auf. Nikitin und Scholz jazzen sämtliche Versatzstücke von der eigenen Biographie bis zur aufgebrezelten Lichtshow derart zum Fake empor, dass zum einen spätestens von der Kopie der Kopie der Kopie plötzlich unschlagbare Authentizitätsanwehungen ausgehen und zum zweiten das biedere Filmnacherzählungs – und Romanbebilderungstheater, dass uns derzeit so massiv von den Stadt – und Staatstheaterbühnen entgegenschlägt, definitiv einpacken kann. Hier fragt zur Abwechslung tatsächlich mal wieder jemand nach dem strukturellen Punkt, der einen Inhalt und ein Medium fürs andere relevant macht.“
(Theater heute)


„ ‚F wie Fälschung’ ist das konzentrierte Ergebnis der stark konzeptionell dominierten Tour d´Horizon, die ‚Woyzeck’ noch als Materialhalde war. Mit der ‚Fälschung’ erleben wir von dort aus einen Aufbruch hin zur sowohl intelligenten als auch emphatischen, einer ironischen wie auch authentischen, einer theatral reflektierten wie zeichenhaft reichen Arbeit. Es ist eine echte Entwicklung zu einer spezifischen Theatersprache, die gleichzeitig komplex und verständlich ist. Diesen Aufbruch wollen wir mit dem Impuls des Preises auf viele weitere Wege schicken.“
(aus der Laudatio zum Dietmar N. Schmidt-Preis bei Impulse '09)