Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Unter dem Blick der Sphinx. Arbeiten mit und nach Heiner Müller.


Mit Studierenden der Angewandten Theaterwissenschaft der Universität Gießen sowie der Theaterwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum

Wie kann eine Theaterarbeit, -forschung, -lehre und -ausbildung aussehen, die auf ein anderes, zukünftiges Theater ausgerichtet ist? Vielleicht auf jenes "freie" Theater, das der Dramatiker Heiner Müller in seinem Text für Pina Bausch kryptisch mit den Worten beschrieb: "Daß eine Sphinx uns anblickt, wenn wir der Freiheit ins Gesicht sehn, sollte uns nicht wundern."
Anlässlich der Essener Premiere von Laurent Chétouanes "Tanzstück # 2" werden Studierende der Theaterwissenschaft Arbeitsergebnisse aus der Zusammenarbeit mit Künstlern, u.a. mit dem Regie-Kollektiv LISA aus Amsterdam sowie Chétouane selbst, präsentieren. Ergänzt wird das Programm durch Diskussionsrunden, u.a. mit Heiner Goebbels, Ulrike Haß, Nikolaus Müller-Schöll und Stefan Schroer.

Gesamtprogramm:

FR 13.02.09
17.30 UHR Begrüßung
Präsentation der Installationen von Studierenden der Theaterwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum
18.30 UHR Projektpräsentationen von Studierenden der Angewandten Theaterwissenschaft der Universität Gießen
20 UHR Laurent Chétouane (F/D): "Tanzstück # 2"
22 UHR Fortsetzung der Projektpräsentationen

SA 14.02.09
13 UHR "Szenische Forschung in der Theaterwissenschaft", Podiumsgespräch zu neuen Wegen der Theaterausbildung
Anschließend Präsentation eines studentischen Projekts der RUB mit dem Künstlerkollektiv LISA (Amsterdam)
15.30 UHR Künstlergespräch über die studentischen Arbeiten mit Studierenden der ATW Gießen sowie der Theaterwissenschaft der RUB
17 UHR Podiumsgespräch zu Laurent Chétouanes "Tanzstück # 2"
18.30 UHR Projektpräsentationen von Studierenden der ATW Gießen sowie von Studierenden der Theaterwissenschaft der RUB
20 UHR Laurent Chétouane (F/D): "Tanzstück # 2"
22 UHR Künstlergespräch über die gezeigten studentischen Arbeiten


Gezeigt werden folgende Gießener Arbeiten:

Im Rahmen einer Gastprofessur von Laurent Chétouane am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft im Sommersemester 2008 entstanden die folgenden Arbeiten, die sich auf unterschiedliche Weise mit der Möglichkeit des Sprechens von Müllers Texten heute auseinandersetzten.

„Orphelia“- Studie zur Hamletmaschine
(Aline Benecke, Lucie Tuma)

Enormous Room. Ophelia verspricht sich: als Bild, als Ornament, als Fläche widersetzt sich der Körper dem Text, gleitet an ihm vorbei, um ihm temporär in den Schoss zu fallen. Die Frau als gescheiterte Utopie, als Aufbäumen des revolutionären Subjekts im Vollzug seiner Pathologisierung, spricht ununterbrochen und ungehört. Der Text als Puls, als Stille, lässt den Körper zu Wort kommen.

"In der Strafkolonie" nach Franz Kafka
(Ana Berkenhoff, Cecilie Ullerup-Schmidt)
In einer weißen Wüste von therapeutischen Tageslichtlampen umgeben, quert ein maschinenhafter Frauenkörper durch die Zeit, den Blick in die Zukunft gerichtet streicht an ihr die Vergangenheit vorüber. Erleichternde Strafen werden mit der Sprache verhängt.
„Der Kern des Problems ist, dass man Töten denken kann. Wenn man es für notwendig hält, hat man nicht das Recht, es selbst nicht zu tun: es nur zu delegieren, wäre unmoralisch." Heiner Müller

"Herakles 2"
(Ana Berkenhoff, Tobias Rosenberger)
Kunst ist keine Therapie, Kunst ist Freiheit. Sie erlaubt uns, einen Raum zu besetzen, in dem die Angst keinen Platz mehr hat. Herakles2 ist in erster Linie aesthetisches Programm und Wahrheitssuche: "Weder in der Philosophie, noch in der Kunst geht es um Beweis oder Meinung. Es geht um eine Setzung, um Behauptung. Die Behauptung unterscheidet vom Beweis und der Meinung, dass sie ohne Gewissheit auskommen muss. [...] Es geht darum, als Subjekt im Ungewissen eine Wahrheit zu berühren und dieser Berührung eine Form zu geben, Sprache" (Markus Steinweg).
Gesang/Gitarre: René Rothert

„Das Gefühl des Scheiterns“
(Sarah Bahr, Juliane Kremberg)

Autor: Und wie beschreibt man das?
Regisseur: Und wie soll ich das auf meine Bühne bringen?
Heiner Müller, X Krieg der Viren

Ein Versuch der Darstellung. Leeres Theater, es bleibt beim Prolog. Das Scheitern an der Beschreibung. Der Kampf mit dem Stoff.