Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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MEMOBLOCK


Eine romantische und auch bisschen witzige Geschichte erzählt sich auf einer anfangs weißen Wand, dem Memoblock. Der Akteur, der üblicherweise Inhalte verhandelt, fehlt, solange man ohne ihn und allein mit Licht, Sound und Bewegung auskommt. Die Stimme, als sie immer schon der Verweis auf den Körper ist, ist von diesem getrennt. Anstelle des Körpers treten sein Blick, Dinge und Bilder, also Spuren seiner Anwesenheit in Erscheinung. Das Projekt faktisch der Frage nach, wie lange Theater ohne menschlichen Darsteller auskommt.
In Zusammenhang mit der Möglichkeit, Inhalte durchaus mit und auf zweidimensional operierenden Medien zu vermitteln, steht in Frage, ob nicht der Körper, insofern er weder Hauptgegenstand der Reflexion, noch Instrument einer körperlichen Performanz ist, eine kontingente, konventionelle und somit für heute prinzipiell entbehrliche Begleiterscheinung theatraler Repräsentation ist. Mit anderen Worten: Ob nicht Abwesenheit dem fehlenden Gegenstand, weil dessen Verlust erfahrbar wird, zu größerer Bedeutung verhilft, als Präsenz und wiederholte Darstellung.
Die inhaltlichen und medialen Ressourcen für Memoblock sind Genrefilm und Dokumentarphotographie:
Der Mann und seine Maschine, Entdeckermythos, Fliegerdrama und Sci-Fi-Film bestimmen Blickrichtung, Text und Bild der einen Perspektive, die andere speist sich aus Bilddarstellungen von Artefakten, biographischem Erzählen und dem Motiv des Sammelns und Ordnens .
M E M O B L O C K verfährt anders als im Theater üblich. Es geht formal um das Experiment, die ohnehin oft zweidimensionale Rezeption im Konzept vorzudenken, und inhaltlich darum, einen für das Theater untypischen Stoff mit anderen Mitteln zu erzählen.
Anstelle des Körpers im Raum, der kommt, spricht, kurz bleibt und wieder geht, arbeitet Memoblock mit Listen und dem Erscheinen, Verschieben und Verschwinden von Stimme, Sound und Bild.