Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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"Er ist nicht hier, denn er ist auferstanden". Die Auferstehung erzählt


Nach Michel de Certeau ist der corps manquant, der nach der Auferstehung entzogene Körper Christi, ein zentrales movens europäischer Symbolpraktiken. Bei der außerordentlich breiten Rezeption dieses Konzeptes wird dabei leicht vergessen, dass es selbst wiederum auf ein anderes Medium verweist, nämlich auf die Erzählungen der Evangelien. Zu fragen ist, wie so etwas wie „Auferstehung“ hier narrativ inszeniert wird und was das sowohl für das Inszenierte wie für die Inszenierung bedeutet. In den vier Evangelien wird auf je verschiedene Weise die Abwesenheit des Körpers mit der Anwesenheit der Botschaft identifiziert: Die Auferstehung erscheint damit als eine „Fiktion“, die zugleich ihre Wirklichkeit und ihre Unwirklichkeit behauptet. Das zieht nicht nur ihre außerordentliche symbolische Produktivität nach sich, sondern teilt sich auch umgekehrt ihrem Medium, der Sprache, und insbesondere der Art, wie über sie poetologisch und narratologisch reflektiert wird. Daher lassen sich an den Evangelien und ihren frühen Lesern auch die Grundlinien einer ‚resurrektiven‘ Funktion im Sinne Jakobsons aufzeigen, in der die sprachliche Performanz sich selbst übersteigt.