Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
MENU
DE EN

25 Jahre ATW


Institut für Angewandte Theaterwissenschaft - Selbstreflexion als künstlerisches Prinzip

Was ist Theater, welche Inspirationen bekommt es von anderen Kunstformen und welche Funktion kann es in einer sich verändernden Gesellschaft haben? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Lehrende und Studierende am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Giessen seit seiner Gründung vor nunmehr fünfundzwanzig Jahren.

Als alternatives Ausbildungskonzept, das der Wissenschaft ebenso Rechnung trägt wie der künstlerischen Praxis, wurde die Einrichtung eines theaterwissenschaftlichen Studiengangs nach dem Vorbild amerikanischer "Drama Departments" auf Initiative der Gießener Anglistik ins Leben gerufen, und mit dem international ausgewiesenen Theaterwissenschaftler Andrzej Wirth konnte 1982 der erste Professor berufen werden, der zusammen mit Hans-Thies Lehmann das Institut schnell bundesweit als Schmiede der Theateravantgarde bekannt machte. Theater wurde hier von anfang an als eigenständige Kunstform mit eigenen Ausdrucksmitteln in den Mittelpunkt des Forschungsinteresses gerückt und nie nur als Umsetzung von Dramen begriffen.
Seit der Emeritierung von Andrzej Wirth und der Berufung der Theaterwissenschaftlerin und Romanistin Helga Finter 1991 zu seiner Nachfolgerin, hat sich die Ausrichtung des Instituts zunehmend erweitert. Mit Frau Prof. Dr. Brandstetter und Dr. Gerald Siegmund wurde auch ein tanzwissenschaftlicher Schwerpunkt eröffnet, der im kommenden Jahr mit einer neu einzurichtenden Professur für Tanzwissenschaft Rechnung getragen wird. Mit der Berufung des Komponisten und Theatermachers Heiner Goebbels 1999, der seit 2003 das Institut als geschäftsführender Direktor leitet, entwickelte das Institut auf vielen Ebenen die künstlerische Praxis weiter.
Diese in dieser Intensität in der Theaterausbildung immer noch einmalige, enge Verbindung von Forschung und Lehre ist mit der künstlerischen Arbeit der Studierenden und Ehemaligen nicht ohne Einfluß auf die Theaterlandschaft. Und die Liste der Namen - unter vielen anderen: René Pollesch, She She Pop, Rimini Protokoll, Auftrag: Lorey, Monstertruck etc. - kann nicht die ganze Bandbreite einer Ästhetik wiedergeben, die auch mit "Gießener Schule" nur sehr unzureichend benannt wird: es ist gerade die Vielstimmigkeit, die in den Arbeiten zum Ausdruck kommt.
Das Institut kooperiert mit vielen internationalen Partnern, gehört zum Ausbildungsverbund der Hessischen Theaterakademie, zum Gießener Zentrum für Medien und Interaktivität ZMI, ist in die Arbeit der Exzellenzinitiative "Graduate Centre for the Study of Culture" an der JLU eingebunden und hat zusammen mit dem Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt und dem Ausbildungsbereich ZuKT der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Frankfurt das "tanzlabor_21 Tanzplan Frankfurt Rhein-Main" gegründet. Seit diesem Wintersemester bietet das Institut nach erfolgreicher Akkreditierung einen Bachelor- und Master- Studiengang "Angewandte Theaterwissenschaft" an.

Das Institut feiert sein 25-jähriges Bestehen im Rahmen des von den Studierenden veranstalteten "diskurs 07 - festival for performing arts" am Samstag, den 13. Oktober 2007 im Margarete-Biebersaal, Ludwigstrasse 34 in Giessen, mit Vorträgen des französischen Philosophen Jean-Luc Nancy (Straßburg) und der Intendantin des Schauspiel Frankfurt, Dr. Elisabeth Schweeger. Der Festakt beginnt um 15.00 Uhr mit Grußworten des Präsidenten der Justus-Liebig-Universität, Prof. Dr. Stefan Hormuth, sowie des Gründungsdirektors des Instituts, Prof. Dr. Andrzej Wirth (Berlin).

Der Vortrag des französischen Philosophen Jean Luc Nancy (in deutscher Sprache) ist dem Gedächtnis seines, Anfang dieses Jahres verstorbenen Kollegen und Freundes Philippe Lacoue-Labarthe gewidmet, der mit seinem Werk, in dem die Verbindung von philosophischer Reflexion und ästhetischer Praxis im Zentrum steht, unserem Institut in besonderer Weise verbunden war. Seine Reflexion über das Theater und die Musik, erprobte sich auch in einer Theaterpraxis, die ihn die heutigen Möglichkeiten der antiken Tragödie untersuchen ließen.


Kontakt: Serena Schranz
hiwi-theater@theater.uni-giessen.de