Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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REVOLUTIONS PER MINUTE


REVOLUTIONS PER MINUTE fordert unsere Wahrnehmung heraus: Ein Ventilator dreht sich 1260 mal in der Minute um sich selbst. Wir sehen diese Bewegungen nicht, sie sind zu schnell, lediglich ihre Summe wird sichtbar. Wir spüren den Windzug, wir hören das Rauschen. Die Genres des Objekt- und Musiktheaters vermischen sich miteinander und eröffnen neue performative Wahrnehmungsräume.
In REVOLUTIONS PER MINUTE werden Objekte und Geräusche in choreografisch-kompositorische Versuchsanordnungen zusammengestellt. Sichtbare und hörbare Choreographien vermischen sich, ergänzen sich, sabotieren sich zunehmend und verunsichern unsere Wahrnehmungen. Komposition und Choreographie befragen sich gegenseitig nach ihrer Gattung, ihrem Material und ihren Möglichkeiten.
Als szenische Grundlagenforschung nimmt sich diese Performance die menschliche und gesellschaftliche Wahrnehmung von Bewegung zum Forschungsobjekt. Was ist Bewegung und wie nehmen wir sie wahr? Was bewegt uns? Zwischen Einmaligkeit und Wiederholung stellen die Bewegungen des Ventilators auch unsere Vorstellung auf den Prüfstand: Wie verhalten sich die wahrgenommenen Bilder zu unserer Vorstellung? Wie gehen wir um mit der Begrenztheit unseres Bildrepertoires, aber auch des kulturell verfügbaren?
Mit ihrer immer wieder live entstehenden Komposition stellen sich die drei Künstler Leander Ripchinsky, Ole Hübner und Niels Wehr zugleich Fragen, wie unsere Erfahrung und Wahrnehmung von Bewegung und Stillstand auf unsere sozio-kulturellen und politischen Lebensräume wirkt. Damit verknüpft ist die gesamtgesellschaftliche Frage, was eigentlich Bewegung, Veränderung oder Revolution bedeutet. Was nehmen die einen als erinnerungspolitische Wende um 180° wahr und die anderen als Stillstand und Rückfall in die Barbarei? Wiederholend im Spiegel unserer medial-vermittelten Öffentlichkeiten stellen sich Fragen danach, wie Vorstellung Wahrnehmung und Wahrnehmung Vorstellung prägt. Nachdem das erste Sechstel des 21. Jahrhunderts abgespielt ist, wird augenscheinlich, das Fortschritt und kollektives Lernen nicht zwangsläufig linear verlaufen, sondern zu gewissen Graden immer wieder neu ausgehandelt werden müssen.
REVOLUTIONS PER MINUTE beteiligt sich an diesem Prozess der Aushandlung und begibt sich auf die Suche nach anderen Bildern. Das Ganze: Ein durchkomponiertes Klangstück, eine ins Schwelgerische abdriftende Sonata quasi una fantasia für objektifizierte Instrumente und instrumentalisierte Objekte.

Eine Produktion der QC.À.QN. GbR in Kooperation mit dem Gallus Theater.
Gefördert durch den Musikfonds e.V. und das Kulturamt Frankfurt am Main.