Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Die hegemonietheoretische Diskursanalyse der Essex School


BA 03/04/09/10/11
MA 01/03/04/05
CUP 07/09


Das Dispositiv ist also immer in ein Machtspiel eingeschrieben, doch immer auch an eine oder an mehrere Wissensgrenzen gebunden, die daraus hervorgehen, es aber genauso auch bedingen. Das eben ist das Dispositiv: Strategien von Kräfteverhältnissen, die Arten von Wissen unterstützen und von diesen unterstützt werden." (Michel Foucault, 2003: 395)

Das Leben aller Menschen wird stets von Dispositiven und Diskursen geformt. Unsere heutige neo- oder postliberale Gegenwart lässt sich als eine von soziotechnischen und politökonomischen Machtformationen dominante beschreiben, in der sich die Subjekte und ihre Praktiken in einem dynamischen Geflecht von Beschleunigung, Komplexität und technologischer Vernetzung bewegen. Der französische Denker Michel Foucault hat mit den Konzepten Dispositiv und Diskurs jene Ideen auf den Begriff gebracht, mit denen ein komplexes Gewebe von Wissen, Macht und Technologie und deren Auswirkungen auf Subjektivitäten in verschiedenen historischen Gesellschaftsformationen untersucht werden können.

Die sozialwissenschaftlichen und philosophischen Diskurs- und Dispositivtheorien können als sozial- und kulturwissenschaftliche Methoden auf vielfältige Phänomene, Techniken und Praktiken angewandt werden. Die zentralen Felder, die im Seminar mit Hilfe von Diskurs- und Dispositivanalysen gemeinsam untersucht werden sollen, sind Subjektkonstituierungen, Machtrelationen, Normalisierungs- und Ausschließungsprozesse. In einem ersten Schritt werden wir uns die Konzepte poststrukturalistischer Diskurs- und Dispositivtheorie aneignen und in einem zweiten Schritt ihre methodisch-pluralen Potentiale für die Analyse diverser Forschungsgegenstände erproben.

Es wird erwartet, dass die Teilnehmenden sich bis zum ersten Blocktermin intensiv mit ausgewählten theoretischen Grundlagentexten von Michel Foucault, Gilles Deleuze, Giorgio Agamben und Ernesto Laclau/Chantal Mouffe, auseinandersetzen und gut vorbereitet zum ersten Blocktermin erscheinen. Während des ersten Zusammenkommens werden unterschiedliche „Diskurs- und Dispositivteams“ gebildet, die eigene diskurs- und dispositivanalytische Forschungsfragen entwickeln und auf verschiedene selbst gewählte Forschungsobjekte anwenden können, um die spezifischen Dispositive, Diskurse, Subjektivierungs- und Wirkungsweisen genauer zu untersuchen. Dies können u.a. Medien allgemeiner oder spezifischer Art, politische Ideologien und Diskurse, künstlerische oder alltägliche Praktiken, Ereignisse, Technologien, Ausstellungen, Theaterstücke, Performances und Filme sein. Während des zweiten Blocktermins können die Teilnehmenden ihre Ergebnisse präsentieren und gemeinsam diskutieren.