Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Deus und Machina. Zur Wechselwirkung von Bühnentechnik und Göttlichem auf dem Theater


Walter Benjamin schreibt über das Barocktheater: „Denn in der Machination hat die neue Bühne den Gott.“ Vergötterung der Maschinen, Mechanisierung des Göttlichen: Seit der griechischen Antike scheint das westliche Theater die Vorstellung von Göttlichkeit mit der Bühnenmaschinerie in Verbindung zu bringen. Was in der Umgangssprache als „Deus ex machina“ zur festen Wendung geworden ist, nämlich dass Göttinnen und Götter über die ins Theater fest verbaute Maschinerie in Erscheinung treten und so ins Geschehen eingreifen, manifestiert sich in der Theatergeschichte in verschiedensten Formen. Worin genau besteht der Zusammenhang zwischen dem Prinzip des göttlichen Eingreifens und dem der mechanisierten Aufführung? Und warum ist ausgerechnet das Theater der Ort, an dem die beiden Prinzipien verknüpft werden?
Durch die Lektüre von Theatertexten (Euripides: Alkestis; Heinrich von Kleist: Das Käthchen von Heilbronn; Bertolt Brecht: Der gute Mensch von Sezuan; Heiner Müller: Hamletmaschine) und die Sichtung von Inszenierungen (Klaus Michael Grüber: Die Bakchen; Katie Mitchell: Wunschkonzert; Heiner Goebbels: Stifters Dinge; Doris Uhlich: Universal Dancer) wird im Seminar versucht, Zusammenhänge zwischen Bühnenmaschinerie und Religiosität, zwischen Technik und Kult im Theater herauszuarbeiten.
Gegengeschnitten wird die Untersuchung der Theater-Werke mit der Lektüre theoretischer Texte (Leibniz: Monadologie (Auszüge); Willy Flemming: Das Jesuitentheater in den Ländern deutscher Zunge (Auszüge); Walter Benjamin: „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“; Donna Haroway: A Cyborg Manifesto (Auszüge); Arnold Aronson: Looking Into the Abyss (Auszüge)).
Voraussetzung für den Teilnahmeschein ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Referates. Für den Leistungsschein ist zusätzlich eine Hausarbeit (Umfang 10-15 Seiten) zu erarbeiten.