Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Das Reale und die (neuen) Bilder


Das Reale und die (neuen) Bilder. Repräsentationen des Anderen oder Terror der Bilder?

Ein Internationales Kolloquium an der Justus-Liebig-Universität Giessen vom 11.-12. November 2005.

Das Kolloqiuum ist eine Kooperation des Zentrums für Medien und Interaktivität, Giessen und des Instituts für Angewandte Theaterwissenschaft, Giessen im Rahmen der Forschungsreihe "Inszenierungen in den Neuen Medien". Es wird veranstaltet von Prof. Helga Finter und Prof. Heiner Goebbels und führt Forscher verschiedener Disziplinen mit dem Ziel zusammen, die Frage der theoretischen und ästhetischen Grundlagen der neuen Bilder und ihres Bezugs zum Realen in einem, nach dem 11. September 2001 radikal veränderten gesellschaftlichen Kontext zu diskutieren. Denn heute, nach dem 11. September, ist das Problemfeld der Darstellung und ihren Grenzen sowie der Repräsentation des Anderen nicht nur auf die Frage der gesellschaftlichen Funktion von Bildern angesichts des Einbruchs des Realen erweitert. Auch deren ästhetische, politische und religiöse Legitimation in einer postmodernen Gesellschaft des Spektakels (Guy Debord) steht zur Debatte.

Die Referentinnen und Referenten aus Kunst-, Medien-, Kultur-, Theater- und Tanzwissenschaft, die sich mit dem Problem des Verhältnisses von Realem und medialen Bild, Körper und Medium, Inszenierung und Repräsentation in ihren Publikationen auseinandergesetzt haben, werden den Komplex an Fragen, der sich mit der Veränderung des soziopolitischen Kontextes einer globalisierten Medialisierung des Realen stellt, sondieren. Die Grenzen der Darstellung werden in diesem Zusammenhang auch im Hinblick auf die psychische Ökonomie des rezipierenden Subjekts anhand von Beispielen aus dem aktuellen wie auch dem historischen Kontext, der sich bislang bewährter ikonographischer, ästhetischer und ritueller Strategien bedient, in folgenden Sektionen diskutiert werden:

  • I Theoretische und mediale Voraussetzungen des Verhältnisses von Realem und Darstellung
  • II Bedingungen und Grenzen der Darstellbarkeit des Realen
  • III Historischer und aktueller ikonographischer wie ritueller Umgang mit dem Realen (I. Kunstgeschichte, II. Ästhetische Strategien Theater/Tanz)

Referenten

  • Marcel Baumgartner, Justus-Liebig-Universität Giessen
  • Hans Belting, IFK Wien
  • Petra Bolte-Picker, Justus-Liebig-Universität Giessen
  • Georges Didi-Huberman, École des Hautes Études, Paris
  • Helga Finter, Justus-Liebig-Universität Giessen
  • Jochen Hörisch, Universität Mannheim
  • Gerald Siegmund, Universität Bern
  • G. C. Tholen, Universität Basel
  • Silke Tammen, Justus-Liebig-Universität Giessen

Der Kongress wird gefördert von: Hochschulgesellschaft der Justus Liebig Universität, Giessen


Dokumentation

Finter, Helga (Hrsg.)
Das Reale und die (neuen) Bilder
Denken oder Terror der Bilder

Reihe: Theaomai - Studien zu den performativen Künsten Band 2
Frankfurt am Main u.a.: Peter Lang, 2008. 176 S., 5 Abb., 19 Tab.
ISBN 978-3-631-57782-0 br.
39.00 €

Das Reale und die (neuen) Bilder versucht Fragen zu beantworten, welche die von 9/11 bewirkte «Bildstörung» eines bildschaffenden Ikonoklasmus nahelegt: Sind seitdem ein Denken oder ein Gedächtnis der Bilder noch möglich? Und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Sind Medienbilder per se unkritisch? An welche Denkstrukturen appelliert Ikonophobie und ihr Pendant, die Ikonophilie? Welcher psychischen Ökonomie gehorchen sie? Beiträge von Theater- und Medienwissenschaftlern, von Kunsthistorikern und Philosophen wie M. Baumgartner, H. Belting, P. Bolte-Picker, G. Didi-Hubermann, H. Finter, J. Hörisch, M.-J. Mondzain, G. Siegmund und S. Tammen untersuchen in verschiedensten medialen, künstlerischen und politischen Bildpraktiken nicht nur den Terror durch Bilder, sondern vor allem auch Möglichkeiten eines Bilddenkens, das diesem die Stirn bietet.

Aus dem Inhalt: Helga Finter: Vorwort - Helga Finter: Ikonophobie, Ikonophilie. Repräsentationen des Anderen oder Terror der Bilder - Marie-José Mondzain: Die Furcht vor den Bildern - Georges Didi-Huberman: Dauer konstruieren - Hans Belting: Die Gewalt der Bilder und das Reale - Jochen Hörisch: Im Bilde sein. Medien des Terrors und der Terrorbekämpfung - Petra Bolte-Picker: Bush und Katrina. Analyse von medialen Inszenierungen des Realen - Silke Tammen: Die «wollige Unschärfe» der Erinnerung. Via Lewandowskys Roter Teppich im Berliner Bundesministerium der Verteidigung - Marcel Baumgartner: Goya nach Chapman (und nach Picasso) - Gerald Siegmund: Passivität, Posen und Perversion. Das Reale und die Körperbilder.