Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Monographien


Für eine vollständige Übersicht aller Publikationen, verweisen wir auf die jeweiligen Publikationslisten der Lehrenden.

Heiner Goebbels: Przeciw Gesamtkunstwerk


Texts on theatre and music, written by Heiner Goebbels

Edited by Lukas Jiricka. Translated by Anna R Burzynska, Slawomir Wojciechowski

Książka Przeciw Gesamtkunstwerk jest pierwsząw języku polskim antologiątekstów Heinera Goebbelsa, jednego z najwybitniejszych europejskich twórców sztuk performatywnych, kompozytora, profesora związanego z legendarnym Instytutem Teatrologii Stosowanej w Giessen, którym kierował w latach 2002–2011, dyrektora prestiżowego festiwalu Ruhrtriennale w latach 2012–2014. Podstawę publikacji stanowiąartykuły z dwóch najważniejszych książek Goebbelsa, zbierających jego wieloletnie doświadczenie artystyczne i pedagogiczne: Ästhetik der Abwesenheit (Estetyki nieobecności), wydanej przez „Theater der Zeit” w 2012 roku, oraz z wcześniejszej Komposition als Inszenierung (Kompozycji jako reżyserii), wydanej przez Henschel Verlag w 2002 roku. Tytuł antologii nawiązuje do jednego z najważniejszych tekstów Goebbelsa i stanowi punkt wyjścia do bezkompromisowych i radykalnych poszukiwań nie tylko w przestrzeni własnej praktyki artystycznej, ale także w ramach instytucji kultury i systemu produkcji sztuki.

Published by Korporacja Ha!art

Übertragung im Theater - Theorie und Praxis theatraler Wirkung


Von Eva Holling

Ausgehend von der Struktur der Übertragung nach Jacques Lacan entwickelt Übertragung im Theater eine Methode der Aufführungsanalyse, die darstellende Kunst als genuin intersubjektiv und damit potentiell sozial und politisch definiert. Die Übertragungsstruktur bildet dabei die Voraussetzung für Wirkungen des Theaters, die strukturell der Liebe verwandt sind.

Theater ist als gegenseitige, subjektivierende Struktur von Präsentieren und Zuschauen zu begreifen: Es interpelliert seine Subjekte und arbeitet mit Fiktionalisierungen der Funktionen von Bühne wie Publikum. Die vorliegende Studie fragt also ausgehend von der subjektivierenden Struktur der Übertragung nach dezidiert ‚theatralen Subjekten‘ und ihren Funktionen – und somit nicht nach Wirkungen des Theaters auf Subjekte, sondern nach Subjektivierung als Wirkung des Theaters. Das Subjekt gilt dabei immer als begehrendes, das in der Übertragung eine überraschende, weil eigentlich grundlose Wertunterstellung vornimmt – es sieht einen wertvollen Kern dort, wo ‚nichts‘ ist.

Übertragung kann so die Anlage zur Instrumentalisierung von Subjekten begünstigen und benennt intersubjektive Machtstrukturen, daher lässt sich mit ihr das Politische im Dispositiv darstellender Kunst diskutieren – und auch in anderen Dispositiven. Unterschieden wird hier zwischen Prozessen, die instrumentelle, und jenen, die experimentelle Umgangsweisen mit Übertragung in der ästhetischen Erfahrung ausagieren. Beispiele von Forced Entertainment, Marina Abramovic, Rimini Protokoll, Kate McIntosh u.a. bilden Reflektionsräume für diese Überlegungen.

Erschienen im Neofelis Verlag.

Artist at Work, Proximity of Art and Capitalism


Examining the recent changes in the labour of an artist and addressing them from the perspective of performance.

By Bojana Kunst

The main affirmation of artistic practice must today happen through thinking about the conditions and the status of the artist's work. Only then can it be revealed that what is a part of the speculations of capital is not art itself, but mostly artistic life. Artist at Work examines the recent changes in the labour of an artist and addresses them from the perspective of performance.

Published by zero books

Die soufflierte Stimme und "Le corps de l’audible: Écrits français sur la voix 1979-2012


Wir freuen uns auf zwei Veröffentlichungen von Prof. Dr. Helga Finter aufmerksam machen zu dürfen. Der Band "Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien" versammelt von Prof. Finter zwischen 1972 und 2012 verfasste Aufsätze. Anhand unterschiedlicher Analysen zur Praxis von Theater, Oper, Tanz und Medien, entwirft Helga Finter eine Ästhetik der Stimme. Zeitgleich erscheint der französische Band "Le corps de l’audible: Écrits français sur la voix 1979-2012". Beide Bände werden vom Peter Lang Verlag herausgegeben. Prof. Dr. Helga Finter ist emeritierte Professorin am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft.

The Wire: Analysen zur Kulturdiagnostik populärer Medien (Kulturelle Figurationen: Artefakte, Praktiken, Fiktionen)


von Michael Cuntz, Jörn Ahrens, Lars Koch, Marcus Krause, Philipp Schulte

Am Beispiel von The Wire wird ermittelt, über welche Kompetenzen zur Analyse komplexer gesellschaftlicher und kultureller Zusammenhänge Populärkultur verfügt. Ästhetik, Fiktion, Dokumentation, Dramaturgie und Kritik werden in The Wire zu einem Bild urbaner, neoliberaler bis postdemokratischer Realität einer krisenhaften Gegenwart verwoben. Der Band fragt nach dem diagnostischen Potential (zeitgenössischer) Populärkultur allgemein und spezifisch nach den Kompetenzen einer Serie wie The Wire an der Schnittstelle zwischen kulturellem Mainstream und Nobilitierungssegment.

Der offene Mund


Über ein zentrales Phänomen des Pathischen.
Von Lorenz Aggermann.

Erschienen bei Theater der Zeit, 2013.

Die Weitung des Mundes markiert den Menschen grundlegend als aisthetisches Wesen. Daher ist es kaum verwunderlich, dass der offene Mund die Kultur- und Kunstgeschichte von der antiken Maske bis zur gegenwärtigen (Pop-)Performance durchzieht. Allerdings offenbart der geweitete Mund zuvorderst jene pathische Erfahrung, die sich weder auf Zeichen, Bilder oder Sprache reduzieren lässt. Wovon kündet folglich der offene Mund? Was geht aus ihm hervor?

Anhand seiner vielfältigen und vieldeutigen Weitungen - Gähnen, Schreien, Heulen, Staunen, Sprechen, Lachen, Singen - beschreibt Lorenz Aggermann in seiner Studie den spielerischen Umgang mit den sonoren und affektiven Registern des Subjekts und etabliert derart eine anthropologisch grundierte Theorie der darstellenden Kunst. Zahlreiche Abbildungen bieten zudem eine kleine Phänomenologie des offenen Mundes.

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Ästhetik der Abwesenheit


Texte zum Theater.
Von Heiner Goebbels.
Erschienen bei Theater der Zeit, 2012.

"Nebeneinanderlegen darfst du die Sätze schon, sie mögen einander sehen, und wenn es sie reizt, dürfen sie einander berühren. Mehr nicht." Elias Canetti, Die Fliegenpein

Heiner Goebbels ist ein Grenzgänger zwischen den Künsten. Seine Werke, so heißt es in der Begründung der Jury zur Verleihung des Kunstpreises Rheinland-Pfalz 2010, "sprengen sowohl den tradierten Rahmen der Konzertmusik als auch den des herkömmlichen Theaters. Er setzt Raum und Licht, Wort und Bewegung ebenso selbstverständlich und virtuos ein wie Instrumente und Stimmen, erfundenes oder gefundenes Material, um seine musiktheatralischen Konzepte zu realisieren."

Heiner Goebbels hat seine künstlerische Arbeit und die zeitgenössische Theaterpraxis immer auch theoretisch reflektiert. Theater ist für ihn ein komplexes Wechselspiel zwischen der Polyphonie von Klang, Licht, Raum und der Wahrnehmung des Zuschauers. An die Stelle von Repräsentation tritt das Spiel mit der Abwesenheit - von Figur, dramatischer Handlung und des Schauspielers im Zentrum der Aufmerksamkeit. Es ist diese Abwesenheit, die der Imagination des Zuschauers einen Spielraum eröffnet und eine ästhetische Erfahrung ermöglicht.

Ästhetik der Abwesenheit versammelt anlässlich des 60. Geburtstages von Heiner Goebbels am 17. August 2012 die wichtigsten Texte zum Theater in einem Band, zusammen mit einem vollständigen Werkverzeichnis.

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Ästhetik der Abwesenheit ist zudem in anderen Sprachen übersetzt worden und in 2015 in Englisch und Russisch und in 2016 in Polnisch erschienen.

Heiner Goebbels: Aesthetics of Absence Texts on Theatre, Routledge London 2015

Heiner Goebbels: Эстетика отсутствия/ ТЕКСТЫ О МУЗЫКЕ И ТЕАТРЕ, Moskau 2015

Heiner Goebbels: Przeciw Gesamtkunstwerk Anthology, Krakow Poland 2016

Die Stimme des Körpers


Vokalität im Theater der Physiologie des 19. Jahrhunderts.
Von Petra Bolte-Picker.
Erschienen bei Peter Lang, 2012.

2012 ist im Peter Lang Verlag die am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft entstandene Dissertation Die Stimme des Körpers von Petra Bolte-Picker erschienen.

Physiologen des 19. Jahrhunderts produzieren in vielfältigen Experimenten Stimmen aus Leichen und Leichenteilen, welche die rhetorische Einheit von Stimme, Körper und Sprache in Frage stellen. Die Autorin legt vor dem Hintergrund analytischer Theatralität eine detaillierte Diskursanalyse dieser Experimente vor, die deren vorwissenschaftlichen Horizont sowie einen Vergleich mit literarischen und gesellschaftlichen Stimm- und Wahrnehmungsmodellen fokussiert. Die Ergebnisse ihrer Analysen führen, jenseits von Frequenz und Maschine, zu einer anderen Einschätzung des 19. Jahrhunderts sowie zu einer gesellschaftlich wirksamen Definition von Stimme, welche die theoretische Grundlage für ein Theater der Wissenschaft bereit stellt.

Petra Bolte-Picker schloss nach zahlreichen künstlerischen Tätigkeiten ihr Studium am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft ab und war dort anschließend bis 2011 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Studiengangkoordinatorin tätig. Sie promovierte 2011. Ihre Forschungsinteressen und Veröffentlichungen behandeln Theater und Wissenschaft, Theatralität und Politik sowie zeitgenössisches Theater und Tanz. Petra Bolte-Picker ist derzeit als Diversity-Beauftragte des Fachbereichs 05 Sprache, Literatur, Kultur tätig.

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Identität als Experiment


Ich-Performanzen auf der Gegenwartsbühne.
Von Philipp Schulte.
Erschienen bei Peter Lang, 2011.

Dieses Buch zeigt anhand ausgewählter Arbeiten aus der Performance Art, auf welche Weisen sich Identitätskonstitutionen und -dekonstruktionen in den zeitgenössischen Darstellenden Künsten vollziehen. Welche Taktiken werden in den Performances angewandt, um ihre eigene, Identitäten setzende Struktur zu unterwandern? Die Untersuchung versteht sich auch als ein Plädoyer dafür, ein Bewusstsein für das Verhältnis zwischen dem performenden Subjekt und seiner Selbst-Darstellung zu entwickeln. Ihre Wirkung entfaltet sich demnach dank der Differenz zum Leben und nicht aufgrund einer Identität mit ihm. Analysiert werden Projekte von Marina Abramovic, Spalding Gray, Michael Laub, Xavier Le Roy, Walid Raad und Rimini Protokoll.

Inhalt: Identitätstheorien: Substanz oder Prozess? - Butlers Theorie performativer Identität - Performative Identitäten als substanzfingierende Akte - Substanz- und performanzorientierte Identitätsdarstellungen im Theater - Subversion von Identitätssetzungen auf der postdramatischen Bühne - Identitätsexperimente: bei Marina Abramovic, Spalding Gray, Michael Laub, Xavier Le Roy, Walid Raad und Rimini Protokoll.

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Kollaborative Praxis: Choreographie: Die Inszenierung der Zusammenarbeit und ihre Aufführung


Die Inszenierung der Zusammenarbeit und ihre Aufführung

Von Martina Ruhsam

In künstlerischen Kollaborationen im Feld der zeitgenössischen Choreographie stellt sich heute die Frage, wie Kollektivität mit einer Singularisierung verhandelt werden kann, die eine Loslösung von konsensuellen Standpunkten erfordert. Wurden die künstlerischen Kollektive der 60er Jahre noch durch eine gesellschaftspolitische Utopie zusammengehalten, so gibt es heute keine »kollektive« politische Intention, die die zusammenarbeitende KünstlerInnen repräsentieren (wollen) würden. In fragilen, temporären und flexiblen Konstellationen, in denen die Heterogenität der partizipierenden KünstlerInnen nicht verleugnet oder ignoriert wird, werden unkonventionelle kollaborative Methoden getestet, aufs Spiel gesetzt und in den Performances zur Disposition gestellt. Die Analyse diverser Arbeitsprozesse und der daraus resultierenden Choreographien (»Projekt«, »REportable«, »While We Were Holding It Together« u.a.) erforscht die (politischen) Potenziale und Aporien, die das künstlerische Arbeiten in Gruppen ohne fixe Rollenzuschreibungen und ohne die Unterordnung des Einzelnen unter eine gemeinsame Identität birgt.

Veröffentlicht im Turia + Kant Verlag.

Die melancholische Revolution des Guy-Ernest Debord


Allegorien des Spektakels.
Von Jörn Etzold.
Erschienen bei diaphanes, 2009.

Wer war Guy Debord? Aktionskünstler, marxistischer Werttheoretiker, Filmemacher, Revolutionär oder letzter klassischer Schriftsteller der französischen Literatur? Scharlatan oder Ikone?

Die melancholische Revolution des Guy-Ernest Debord will den Polemiken zu Debord keine weitere hinzufügen. Jörn Etzold sieht in Debords Gesten vielmehr Artikulationen des Politischen im Angesicht einer unhintergehbaren Verschränkung von Politik, Ökonomie und Ästhetik. Debord hat dieser Verschränkung den Namen "Gesellschaft des Spektakels" gegeben. Doch wird sie von ihm nicht nur konstatiert; in zahlreichen Formen experimentiert Debord mit Möglichkeiten, sich ihr auf Augenhöhe zu stellen.

Sichtbar wird dabei weniger eine totale Theorie als eine Politik des Singulären — kein Konzept, kein Modell, nicht einmal eindeutig benutzbare Begriffe, sondern vielmehr ein Arsenal von Formen, Gesten, Taktiken, Tricks und Effekten. Guy Debord wird als melancholischer Allegoriker erkennbar, der die Welt zu entschlüsseln versucht und doch ihre Unlesbarkeit eingestehen muss, der einen heroischen Krieg gegen den spektakulären Kapitalismus führen will und dem doch nur Filmbilder und Buchstaben bleiben. Eben durch seine Gesten aber übt Debord heute einen enormen, wenngleich untergründigen Einfluss aus.

Etzolds Untersuchung "schlüsselt die Gründe dieser heutigen Ambivalenz auf, indem sie zeigt, wie sehr die Schriften und Filme Debords wesentliche Aspekte einer Erfahrung festhalten, die heute noch entscheidend fortwirkt". (Samuel Weber)

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Beograd Gazela


Reiseführer in eine Elendssiedlung.
Von Lorenz Aggermann, Eduard Freudmann und Can Gülcü.
Erschienen bei Drava, 2008.

Obwohl es in Europa eine ganze Menge an Siedlungen gibt, die dem gängigen Sprachgebrauch nach als Slums oder Elendssiedlungen bezeichnet werden, fragt kaum jemand danach, warum es zu deren Entstehung kommt, wie es sich darin leben lässt und wie der Ort den Alltag seiner BewohnerInnen prägt. Besonders auffällig wird dies am Beispiel jener Elendssiedlung unterhalb der Autobahnbrücke Gazela, im Herzen Belgrads: täglich fahren Zehntausende an den Hütten und Baracken vorbei und dennoch gibt es kaum glaubwürdige Informationen über die Siedlung und die Menschen – in überwiegender Mehrheit Roma – die dort zu wohnen gezwungen sind.

Ab welcher Größe ist eine Ansammlung von Hütten und Baracken als Siedlung zu betrachten? Was unterscheidet Hütten von Baracken? Wie lebt man ohne städtische Infrastruktur, ohne Wasser, ohne Strom? Wie organisieren sich die BewohnerInnen, welcher Arbeit gehen sie nach? Wie steht es mit ihrer medizinischen, wie mit ihrer kulturellen Versorgung?

Der Reiseführer in eine Elendssiedlung führt in diesen weißen Fleck, um dessen Stellenwert im öffentlichen Bewusstsein neu zu definieren: einerseits sollen die LeserInnen dazu animiert werden, Gazela oder ähnliche Siedlungen zu besuchen, um sich unmittelbar mit der Situation auseinander zu setzen, andererseits werden grundlegende Informationen über die sozialen wie ökonomischen Strukturen und Zwänge bereitgestellt, unter denen die BewohnerInnen solcher Siedlungen zu leben gezwungen sind. Darüber hinaus macht der Reiseführer auf die vielschichtigen Mechanismen der Marginalisierung und Diskriminierung von Roma aufmerksam und will mit der fundierten Beschreibung dieses Soziotops eine Basis für weitere Initiativen schaffen. Zahlreiche Fotos, die zum Teil von den BewohnerInnen der Siedlung selbst stammen, erlauben auch denjenigen einen Einblick, welche sich nicht konkret auf diese Reise begeben wollen.

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Ist alles gespielt?


Blicke auf den Stadtraum im neuen Theater.
Von Eva Holling.
Erschienen bei Tectum, 2007.

Den Stadtraum bespielende Theaterprojekte verlassen funktionale und institutionalisierte Architekturen. Sie zeigen Formen einer künstlerischen Praxis auf, die sich mit Raum auseinandersetzen, ihn sich zunutze oder zu eigen, einen anderen aus ihm machen. Produktionen, die die Stadt und ihre Besonderheiten herausarbeiten und sie bisweilen zur Protagonistin werden lassen, vermitteln: Die Stadt als Ort des Theaters ist mehr als nur ein Rahmen. Solche Theaterprojekte funktionieren, indem sie den Stadtraum als Möglichkeitsraum erkennen und diesen gezielt ausschöpfen. Projekte aus der jungen deutschen Theaterpraxis fokussieren den Blick auf Stadt- und öffentlichen Raum. Sie eröffnen Perspektiven, machen Wahrnehmungsmechanismen bewusst, praktizieren einen unvorhergesehenen Umgang mit den Orten. Die Heterogenität der Großstadt und der künstlerische Umgang mit ihr evozieren ein Verständnis des Raums als aktives Gegenüber, als Mitspieler. Eingebettet in Reflexionen über den Wandel der Theaterformen und versehen mit Gedanken zur Entwicklung der Großstädte werden Mittel und Wirkungsweisen der „Blicke auf den Stadtraum im neuen Theater“ aufgezeigt und analysiert.

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Abwesenheit


Eine performative Ästhetik des Tanzes.
William Forsythe, Jérôme Bel, Xavier Le Roy, Meg Stuart.

Von Gerald Siegmund.
Erschienen bei transcript, 2006.

Seit der klassischen Moderne gilt das Flüchtige als Merkmal des Tanzes. Damit verbunden ist die Frage nach der Präsenz des Tanzes als einer Kunstform, die an die leibhafte Gegenwart von Körpern auf der Bühne gebunden ist. In diesem Spannungsfeld begreift die Studie Abwesenheit als jene Kategorie, die das kritische und selbstreflexive Potential des Tanzes als Kunst- und Bühnenform ausmacht.

Das Buch gibt der Tanzwissenschaft in Deutschland entscheidende Impulse und leistet darüber hinaus einen wesentlichen Beitrag zu einer ästhetischen Theorie von Performance und Theater. Die vier großen Kapitel zu den wichtigen zeitgenössischen Choreographen William Forsythe, Jérôme Bel, Xavier Le Roy und Meg Stuart bieten subtile Interpretationen zahlreicher Produktionen, die in dieser Form bisher noch nicht vorliegen. Zwischen Stückbetrachtung und philosophischer Reflexion oszillierend, entsteht ein komplexes Bild davon, was es heißt, auf der Bühne vor Publikum zu tanzen und diesem Tanz vom Parkett aus zuzusehen.

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Theater als Gedächtnis


Semiotische und psychoanalytische Untersuchungen zur Funktion des Dramas.
Von Gerald Siegmund.
Erschienen bei Gunter Narr, 1996.

Das Buch hat es sich zum Ziel gesetzt, einen Ansatz zu einer neuen Theater des Thetaers vorzustellen, der ungewohnte Ausblicke auf die produktions- und rezeptionsspezifische Zeitform des Theaters eröffnet. Unter Rekurs auf den Körper des Schauspielers, den Blick des Zuschauers und das intermediäre Feld zwischen Körpern und Blicken von Schauspielern und Zuschauern wird hier Gedächtnis als ästhetische Kategorie par excellence vorgestellt. DIeser neue Ansazu vermag sowohl für traditionelles Texttheater wie auch die körperbetonten, nicht-literarischen szenischen Entwürfe postdramatischer Provenienz fruchtbar gemacht werden.

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Der subjektive Raum Band 1 und 2


Band 1: Die Theaterutopien Stéphane Mallarmés, Alfred Jarrys und Raymond Roussels: Sprachräume des Imaginären.
Band 2: "... der Ort, wo das Denken seinen Körper finden soll": Antonin Artaud und die Utopie des Theaters.
Von Helga Finter.
Erschienen bei Gunter Narr, 1990.

Band 1: Die Theaterutopien Stéphane Mallarmés, Alfred Jarrys und Raymond Roussels: Sprachräume des Imaginären.
Lange war Theater der Ort, wo Krisen des Subjekts gespielt und Modelle für die Einbindung von Leidenschaften und Trieben vorgeschlagen wurden. Doch seit Ende des 19. Jahrhunders werden auch für das Theater Stimmen laut, die die Vorbildlichkeit der Menschenmodelle auf dem Theater in Frage stellen. Wie wird der Mensch zum Sprachwesen, wie formen sich Blick und Gehör? Welche Rolle spielt dabei das Theatralische? Solche Fragenstellen Mallarmé, Jarry, Roussel und Artaud, dem Band 2 gewidmet ist, mit ihren Theaterutopien. Diese sprengen nicht nur die Grenzen des Sprechtheaters, indem sie den Horizont der Oper, des Gesamtkunstwerks, des Ritus und der neuen Medien einbeziehen. Marlarmés vierdimensionales Buch, Jarrys Wappen und Roussels Glorie sind auch Utopien subjektiver Räume, die jeweils eine Theorie des Subjekts und des Bezugs von Sprachen und Imaginärem beinhalten. Theatralische Prozesse sollen zu gelebter Erkenntnis werden, Theater grenzt nicht mehr aus, sondern trägt bei, andere und das Andere im Einzelnen zu akzeptieren.

Band 2: "... der Ort, wo das Denken seinen Körper finden soll": Antonin Artaud und die Utopie des Theaters.
Artauds Beschäftigung mit Poesie, Malerei, Film, Theater und Hörpsiel entspringt eine Erfahrung des Theatralischen, die das Wissen vom Subjekt entgrenzt und den Bezug von Sprachen und Imaginärem erhellt. So ist Artauds Denken keinesfalls auf eine Dramaturgie zu reduzieren. Denn mit der Frage nach dem Theatralischen sucht Artaud - in einem Zeitraum von mehr als 40 Jahren und in den verschiedensten Bereichen - die Frage zu beantworten, wie das von Gesellschaft und Psychogenese Verdrängte sag- und manifestierbar werden kann. Am Ende seines Lebens wird er dann mit drei Hörspielen zu einem "Theater der Grausamkeit" finden, das in soufflierten Stimmen die Doppel und Schatten hörbar macht, die die erste Identität ausbildeten. In Artauds Theater des subjektiven Raums werden - wie bei Mallarmé, Jarry, Roussel, denen Band 1 gewidmet ist - die Grenzen des Theaters gesprengt. Doch zugleich zeigt Artaud auch, daß das theatralische Spiel eines sprachlichen und musikalischen Opfers eine Alternative zu den kollektiven Opferveranstaltungen sein könnte, die das 20. Jahrhundert in der Realität inszenierte.

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