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Kolonial-Frauenschule Bad Weilbach

Die Kolonial-Frauenschule in Bad Weilbach bei Wiesbaden bestand zwischen 1911 und 1914 und wurde in diesem Zeitraum von etwa 40 Schülerinnen besucht. Sie war an die örtliche Schule des „Reifensteiner Vereins für Wirtschaftliche Frauenschulen auf dem Lande“ angeschlossen, die in einem vertraglichen Verhältnis mit der „Gesellschaft Kolonial-Frauenschule mbH“ stand. Untergebracht wurde sie im ehemaligen Kurhaus der Stadt: Die Räumlichkeiten des ehemaligen Badehauses dienten ihr als Lehrsäle, das ehemalige Ärztehaus wurde für sie zur Kolonialschule umgebaut.

Der Unterricht bestand einerseits aus einer großen Bandbreite an Fächern, deren Ziel die land- und hauswirtschaftliche Ausbildung der Schülerinnen war (darunter Kochen und Backen, Waschen und Schneidern aber auch Obst- und Gemüseverwertung sowie Geflügel- und Bienenzucht), enthielt andererseits aber auch kolonialkundliche Fächer (Kolonialgeographie, Landeskunde der Kolonien, koloniale Lektüre) sowie Einheiten zur Tier- und Pflanzenkunde. Eineinhalb Jahre dauerte die Ausbildung, als Schülerinnen wurden Frauen und Mädchen zwischen 18 und 38 Jahren aufgenommen - sofern sie zu den gebildeteren Schichten zählten.

Ab 1912 stand der Schule ein eigenes Gewächshaus zur Verfügung; zudem gab es eine umfangreiche Bibliothek mit kolonialer Literatur und allen wichtigen in den Kolonien erscheinenden Zeitungen. Anschauungsobjekte für den Unterricht fanden sich in der schuleigenen Sammlung kolonialer Erzeugnisse. Beim Frankfurter Deutschen Roten Kreuz wurden die Schülerinnen in den Grundlagen der Kranken-, Säuglings- und Kinderpflege unterrichtet. Zu diesem Zweck absolvierte jede Schülerin der Kolonial-Frauenschule in dessen Schwesternhaus ein vierteljähriges Praktikum.

Neben Lehrkräften, die gleichzeitig an der Wirtschaftlichen Frauenschule in Bad Weilbach tätig waren, unterrichteten mit Mathilde Wolff und Lilly Brüninghaus zwei Lehrerinnen an der Kolonial-Frauenschule , die zuvor etwa ein Jahr lang zu Studienzwecken nach „Deutsch-Südwestafrika“ geschickt worden waren.

Die Ausbildung an der Kolonial-Frauenschule wurde von verschiedenen Seiten finanziell gefördert. So bekam jede Schülerin einen Zuschuss von 500 Mark aus Reichsmitteln, während für das zusätzliche Schul- und Pensionsgeld 1400 Mark anfielen. Konnten Interessentinnen diesen Beitrag nicht aufbringen, dann konnten sie sich bei der Deutschen Kolonialgesellschaft um eines der jährlich zwei vergebenen Stipendien (eines in Höhe von 800 Reichsmark, das andere in Höhe von 500 Reichsmark) bewerben. Im Schuljahr 1912/1913 erhielt die Schule vom Reichskolonialamt zudem pro Schülerin 300 Reichsmark Zuschuss, danach 500 Reichsmark.

Literatur

  • Bernd Blisch: Die Kolonialfrauenschule in Bad Weilbach 1911-1914, in: Zwischen Main und Taunus. Jahrbuch des Main-Taunus-Kreises 4 (1996), S. 73-78.
  • Dörte Lerp: Die Kolonialfrauenschulen in Witzenhausen und Bad Weilbach, in: Marianne Bechhaus-Gerst (Hg.): Frauen in den deutschen Kolonien, Berlin 2009, S. 32-39.
  • Mechtild Rommel/Hulda Rautenberg: Die kolonialen Frauenschulen von 1908-1945, Witzenhausen 1983, S. 21-28.
de/institutionen/kolonialschulen/kolonial-frauenschule_bad_weilbach.txt · Zuletzt geändert: 2015/05/05 10:00 (Externe Bearbeitung)