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Richard Greeff

Arzt und Zoologe

Richard Greeff (* 14. März 1829 in Elberfeld; † 30. August 1892 in Marburg an der Lahn) war ein deutscher Arzt und Zoologe.

1 Akademischer Lebenslauf

Greeff studierte Medizin in Würzburg, Heidelberg und Berlin und wurde 1857 in Berlin zum Dr. med promoviert. Gegenstand seiner Dissertation waren Erkrankungen der Mundhöhle. Nach einer Assistenzzeit in Danzig übernahm er 1859 eine Praxis in seinem Geburtsort Elberfeld, die er jedoch einige Zeit später wieder aufgab, um sich 1863 in Bonn im Fach Zoologie zu habilitieren. 1870 arbeitete er für kurze Zeit erneut als Arzt in einem Krankenhaus, das Kriegsverwundete versorgte. 1871 wurde er schließlich nach Marburg auf eine Professur für Zoologie und vergleichende Anatomie berufen. In den Folgejahren lehnte er Berufungen nach Rostock und Tübingen ab.

Greeff war Mitglied im Deutscher Kolonialverein.

2 Forschungsinteressen und Forschungsreisen

Greeff unternahm zahlreiche Forschungsreisen, die ihn unter anderem an die Adria-Küste, auf die Kanarischen Inseln, die Kapverdischen und Guinea-Inseln, die Inseln Rolas, Sao Thome und Principe sowie nach Neapel und Lissabon führten. Der Löwenanteil seiner Forschungen beschäftigte sich mit medizinischen und zoologischen Fragen. Daneben publizierte er aber auch allgemeiner gehaltene Reiseberichte, in denen er sich mit geographischen, klimatischen, ethnologischen und philologischen Fragen beschäftigte.

3 Die "Angolares-Neger" der Insel Sao Thome

Während eines Aufenthaltes in Guinea im Jahr 1880 besuchte Greeff mehrmals die Insel Sao Thome, die Teil des portugiesischen Kolonialreiches war. Dort studierte er die Eingeborenen, die, nach seiner Recherche, 1544 durch ein gekentertes Sklavenschiff auf der Insel gestrandet waren. Zunächst lebten diese in einer friedlichen Koexistenz mit den Portugiesen. 1567 brach nach einem „räuberischen Einfall“ der Angolares zwischen beiden Gruppen jedoch ein Buschkrieg aus, der phasenweise erneut aufloderte und erst 1693 durch die Portugiesen beendet wurde. Zwei Drittel der Angolares wurden versklavt, das letzte Drittel erhielt zunächst die Autonomie zurück, wurde aber 1878 unmittelbar der portugiesischen Verwaltung unterstellt.

Greeff versuchte herauszufinden, aus welchem Land die Angolares ursprünglich kamen. Entgegen der landläufigen Meinung, wonach Togo deren Heimatland gewesen sein soll, vertrat Greeff den Standpunkt, dass sie aus Angola stammten. Er versuchte diese These durch einen Vergleich der eingeborenen Dialekte zu verifizieren.

Wenngleich Greeff die Eingeborenen für den Ausbruch des Krieges mit den Portugiesen verantwortlich machte, hatte er Sympathien für die „einfachen Sitten“ und die „Mäßigkeit“, die er bei ihnen beobachtete. Positiv bewertete er auch, dass die Angolares bisher nicht dem Konsum von Branntwein und Tabak erlegen waren.

4 Werk (Auswahl)

  • Reise nach den Canarischen Inseln: Mit populär-naturwissenschaftlichen Schilderungen, Bonn 1868.
  • Eine im Winter 1879/80 durchgeführte Reise nach den Guina-Inseln Principe und Sao Thome, Marburg 1882.
  • Die Fauna der Guina-Inseln Sao Thome und Rolas, Marburg 1884.
  • Die Insel Rolas, in: Globus. Illustrierte Zeitschrift für Länder und Völkerkunde mit besonderer Berücksichtigung der Anthropologie und Ethnologie, Bd. 41 (1882).
  • Die Angolares Neger der Insel Sao Thome, in: Globus. Illustrierte Zeitschrift für Länder und Völkerkunde mit besonderer Berücksichtigung der Anthropologie und Ethnologie, Bd. 42 (1882), S. 362-364 und 376-378.
  • Die Capverdischen Inseln in: Globus. Illustrierte Zeitschrift für Länder und Völkerkunde mit besonderer Berücksichtigung der Anthropologie und Ethnologie, Bd. 43 (1883).
  • Von den Capverdischen Inseln nach Boloma, in: Globus. Illustrierte Zeitschrift für Länder und Völkerkunde mit besonderer Berücksichtigung der Anthropologie und Ethnologie, Bd. 46 (1884).

Siehe auch Werkverzeichnis Richard Greefs.

de/personen/wissenschaftler/richard_greeff.txt · Zuletzt geändert: 2015/05/05 10:00 (Externe Bearbeitung)