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Christian Eckert

Rechts-, Staats- und Wirtschaftswissenschaftler

Christian Laurenz Maria Eckert (*16.03.1874 in Mainz; † 27.06.1952 in Köln) war ein deutscher Rechts-, Staats- und Wirtschaftswissenschaftler.

1 Leben

1.1 Akademischer Werdegang

Eckert studierte Rechts- und Staatswissenschaften, Wirtschafts- und Kunstgeschichte sowie Philosophie in München, Gießen und Berlin. Am 14. Mai 1896 schloss er sein Studium in Gießen ab und wurde dort ein Jahr später mit der Arbeit „Der Fronbote im Mittelalter nach dem Sachenspiegel und den verwandten Rechtsquellen“ bei Arthur B. Schmidt zum Dr. jur promoviert. In einem Brief resümierte er seine Studienzeit in Gießen: „Ich bin gewiß nicht Noten- und Titelsüchtig, aber es freute mich doch sehr, daß mein juristisches Studium einen guten Abschluß fand; gerade weil ich mich nicht nur auf Jurisprudenz versteifte und mindestens ebenso viel Zeit auf Kunstgeschichte und Nationalökonomie verwandte, freut es mich nun doppelt, daß ich alle diese ‚eingefleischten Fälleerzähler die ganz in ihren Formeln verknöchern, weit hinter mir ließ. Seit Menschengedenken soll ja angeblich ein solches Examen nicht mehr dagewesen sein.„[1] Nach seiner ersten Promotion verließ er Gießen und ging nach Berlin, wo er bei Gustav Schmoller mit der Arbeit „Das Mainzer Schiffergewerbe in den letzten drei Jahrhunderten des Kurstaates“ zum Dr. phil promoviert wurde. Dort legte er 1901 auch die Habilitation ab, die ebenfalls von Schmoller betreut wurde. Thema der Arbeit war die „Rheinschiffahrt im 19. Jahrhundert“. Anschließend wurde er nach Köln an die neu gegründete Handelshochschule berufen, die er ab 1910 leitete. Eine Rückkehr nach Hessen, die ihm durch einen Ruf an die „Frankfurter Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften“ offen gestanden hätte, lehnte er ab. Eckert setzte sich von Beginn an für die Gründung einer Universität in Köln ein. Als es so weit war wurde er zum ordentichen Professor für wirtschaftliche Staatswissenschaften sowie zum ersten Rektor der neu gegründeten Universität zu Köln ernannt. Diese verlieh ihm 1922 die Ehrendoktorwürde und ernannte ihn 1926 zum Ehrenbürger der Universität.

Eckerts Forschungen lassen sich der jüngeren historischen Schule zuordnen. Er promovierte und habilitierte nicht nur bei deren Wortführer Schmoller, sondern konzentrierte sich in seinen Forschungen auch auf wirtschaftshistorische Themen, die charakteristisch für diese Richtung der Nationalökonomie sind. In seiner Gedenkrede charakterisierte Anton Felix Napp-Zinn Eckerts wissenschaftliches Arbeiten wie folgt: „Schmoller hat Eckerts Forschungsrichtung und Methodik zu einem guten Teil beeinflußt, und zwar im Sinne der historisch ausgerichteten Monographie geschlossener wirtschaftlicher Komplexe. Immer hat Eckert die Erfassung konkreter Phänomene unter dem Einfluß vielfältiger Kräfte mehr gereizt als die Generalisierung, geschweige denn das Arbeiten mit theoretischen Modellen.“[2]

Zudem unternahm er mit Studenten der Kölner Handelshochschule im Jahr 1908 eine rund zweimonatige Studienreise nach Afrika.

1.2 NS-Zeit und Nachkriegsjahre

Im September 1933 wurde Eckert von der nationalsozialistischen Regierung von sämtlichen Ämtern enthoben. Anschließend zog er nach Worms, wo er 1936 Aufsichtsratsvorsitzender der Cornelius Heyl AG wurde.

2 Kolonialpolitische Positionen

Am 22. Februar 1912 hielt Eckert in der Versammlung des Mittelrheinischen Fabrikanten-Vereins einen Vortrag, in dem er sich mit den wirtschaftlichen Entwicklungspotentialen der deutschen Kolonien in Afrika beschäftigte. Eckerts Positionen werden im Folgenden kurz skizziert.

2.1 Verkehrspolitik

Unter Berufung auf Henry Morton Stanley hielt er den Aufbau eines weitverzweigten Schienennetzes für die wichtigste Voraussetzung einer günstigen Entwicklung der Kolonien. Er begründete diese Position damit, dass die Eisenbahn das einzige Verkehrsmittel sei, das Personen, Güter und Kriegsgerät effektiv transportieren könne.

2.2 Bevölkerungspolitik: Befriedung und Besiedlung

Die eingeborene Bevölkerung sollte verdichtet werden und unter weißer Aufsicht zum Abbau von Rohstoffen eingesetzt werden. Unter einwanderungspolitischen Gesichtspunkten begriff Eckert die deutschen Gebiete weder als Einwanderer- noch als Eingeborenenkolonien, sondern als Mischkolonien. In diesen sei eine Besiedelung, je nach klimatischen Bedingungen, in unterschiedlichem Maße möglich, so Eckert. In den tropischen Gebieten hielt er lediglich die Ansiedelung einer kleinen weißen Oberschicht für realistisch. In den äquatorialafrikanischen Hochländern hielt er hingegen eine dichtere Besiedelung für möglich.

2.3 Rassenproblematik

Eckert rezipierte in seiner Rede auch die Frage, ob Mischehen zwischen Europäern und Eingeborenen legitim seien: „Entscheidend bleibt für die Fortentwicklung der in Übersee Wohnenden die Zahl der rassereinen Geburten. Die Anpassung weißer Frauen an tropische Lebensgewohnheiten ist daher ein besonders wichtiges unausweichliches Problem. Selbst wo all diesen Schwierigkeiten begegnet wird, wo sich die weißen im wesentlichen frei von Blutsmischung halten, wo den Hauptgefahren des Gesundheitszustandes abgewehrt wird, erleiden die Ansiedler doch in ihren seelischen und körperlichen Eigenschaften Abwandlungen (…). Fast nirgends in den Tropen ist die weiße Rasse in den Nachkommen den Stammeltern gleichwertig geblieben und es bleibt eine Zukunftsfrage, ob bei fortschreitender Kultur das Gespenst der Entartung verschwindet“ Die „Entartung“ führte Eckert einerseits auf ein biologisches Defizit zurück. Andererseits glaubte er, dass der Grad der „Entartung“ abermals von den klimatischen Bedingungen abhänge. So sei das Problem in den äquatorialafrikanischen Hochländern weniger ausgeprägt als in den tropischen Gebieten.

3 Die Expedition der Kölner Handelshochschule nach Ostafrika

Unter der Leitung Eckerts unternahm die Kölner Handelshochschule 1908 eine Expedition nach Ostafrika. Neben Eckert nahmen drei weitere Professoren, 25 Studenten und ein Vertreter der Kölnischen Zeitung daran teil. Die Exkursion war die erste dieser Art und wurde in enger Kooperation mit dem Reichskolonialamt organisiert. Auf der Route lagen Britisch-Ostafrika, Süduganda und Deutsch-Ostafrika.

Von ihrem Selbstverständnis her sah sich die Gruppe in der Rolle von Forschern, die zum Zwecke wissenschaftlicher Studien in Afrika unterwegs war. Entsprechend bestand ein selbstgestecktes Ziel der Exkursion darin, zu erforschen, wie man die Kolonien wirtschaftlich nutzbar machen könnte. Passend dazu besichtigte man wirtschaftliche Betriebe und Plantagen oder suchte den Kontakt zu Unternehmern und hochrangigen Kolonialbeamten. Aus den Quellen geht jedoch auch hervor, dass die Gruppe neben dem Forschen Wert auf Vergnügen legte. Insgesamt bewegte man sich jedoch vorrangig in den „eigenen Kreisen“, ein Interesse an einem „Kennenlernen“ der fremden Kultur hatte man hingegen nicht. Stattdessen traten die Kölner offensichtlich mit dem Gestus europäischer Überlegenheit auf. Die Afrikanistin Anne-Kathrin Horstmann schätzt das Auftreten der Kölner so ein: „Die Kölner Wissenschaftler traten mit einer anmaßenden wissenschaftlichen Autorität und einem fast schon von Größenwahn geprägten Selbst- und Wissenschaftsverständnis auf, Informationen als selbstverständlich verstehen, generieren und nutzen zu können.“ [3]

4 Werk (Auswahl)

  • Die Rheinische Schiffahrt im XIV Jahrhundert, Leipzig 1900.
  • J.H. Stein. Werden und Wachsen eines Kölner Bankenhauses in 150 Jahren.
  • Die Afrikafahrt der Kölner Handels-Hochschule, in: Kölnische Volkszeitung und Handels-Blatt, Abend-Ausgabe 49. Jg., Köln 26. Oktober 1908.
  • Die Bevölkerung tropischer Kolonien, insbesondere Deutsch-Ostafrika, in: Gustav Schmoller (Hrsg.), Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft im Deutschen Reich, Leipzig 1909.
  • Die wirtschaftliche Entwicklung der deutschen Kolonien in Afrika. Gehalten in der Versammlung des Mittelrheinischen Fabrikanten-Vereins, 1912.

Literatur

  • [1] Freiträger, Andreas: Christian Eckert (1874-1952), Köln, 2013, S. 17
  • [2] Henning, Friedrich-Wilhelm: Christian Eckert 1874-1952, in: Friedrich-Wilhelm Hennig (Hrsg.), Kölner Volkswirte und Sozialwissenschaftler, Köln, 1988, S.
  • [3] Zur Exkursion der Handelshochschule Vgl.: Anne-Kathrin Horstmann:Wissenschaftlicher Kolonialismus zwischen Theorie und Praxis: Die Ostafrika-Expedition der Kölner Handelshochschule 1908. Online publication. Abrufbar unter: http://www.kopfwelten.org/kp/institutionen/handelshochschule/index.html
  • Freiträger, Andreas: Christian Eckert (1874-1952), Köln 2013.
  • Henning, Friedrich-Wilhelm: Christian Eckert 1874-1952, in: Friedrich-Wilhelm Hennig (Hrsg.), Kölner Volkswirte und Sozialwissenschaftler, Köln 1988, S. 1-13.
  • Horstmann, Anne-Kathrin: Wissenschaftlicher Kolonialismus zwischen Theorie und Praxis: Die Ostafrika-Expedition der Kölner Handelshochschule 1908. Online publication. Abrufbar unter: http://www.kopfwelten.org/kp/institutionen/handelshochschule/index.html
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