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Ernst Oppenheimer

Unternehmer in Südafrika

Ernest Oppenheimer (*geboren am 22. Mai 1880 in Friedberg; † am 25. November 1957 in Johannesburg, Südafrika) war Begründer des südafrikanischen Diamantenkartells unter De Beers.

Als fünfter Sohn eines jüdischen Zigarrenhändlers ging Ernest Oppenheimer mit 17 Jahren bei seinem Onkel Anton Dunkelsbuhler in London in die Lehre. Als Edelsteinhändler arbeitete er in dessen Firma Dunkelsbuhler & Company. Nach dem Zweiten Burenkrieg 1902 siedelte als Repräsentant des Unternehmens ins Zentrum der Diamantenindustrie über: nach Kimberley (Südafrika). Dort war er zunächst Stadtrat, dann Bürgermeister, bevor er 1915 wegen antideutscher Unruhen vorläufig zurück nach England emigrieren musste. Dort nahm er die britische Staatsbürgerschaft an.

Gründung des Diamantenkartells

Bereits 1914 ging Ernst Oppenheimer wieder nach Afrika, nach Johannesburg, um dort ein Jahr später mit Hilfe der amerikanischen Bank JP Morgan die Anglo American Corporation zu gründen. Dieses Unternehmen war durch den Handel mit Rohstoffen lange einer der erfolgreichsten Bergbaukonzerne der Welt. Ernst Oppenheimer wurde im Jahr 1920 Präsident des 1888 von Cecil Rhodes gegründeten Förderunternehmen De Beers, da dieses Syndikat in Schwierigkeiten geraten war. Ab 1929 übernahm Oppenheimers Firma Anglo American die Kontrolle über De Beers. Bis heute wird der Präsidentenposten in der Familie weitergereicht. Der Grundstein zur Weltmacht wurde 1950 durch die Gründung der Vertriebsorganisation „Central Selling Organisation“ gelegt – ein Kartell, das jahrzehntelang 90% des Diamantenhandels kontrollierte. Dies bekamen die Konkurrenten deutlich zu spüren. So etwa der amerikanische Juwelier Harry Winston, der Rohdiamanten aus Angola ohne De Beers Einfluss erwerben wollte. Doch Oppenheimers Unternehmen soll dies nicht akzeptiert und die britische Regierung eingeschaltet haben, um dies zu verhindern. Durch einen Vergleich wurden Winston schließlich bessere Konditionen bei De Beers eingeräumt. Heute ist er als Winston Inc. einer der größten Luxusdiamantenhändler weltweit.

Probleme mit dem US-Präsidenten

Im Zweiten Weltkrieg fürchtete sich Ernst Oppenheimer vor sinkenden Preisen und verweigerte sich daher einer Bitte des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt nach 6,5 Milliarden Karat Industriediamanten. Als Folge wurde ihm die Einreise in die USA verboten und alle Aktivitäten De Beers auf amerikanischen Boden mussten wegen Verstoß gegen das Kartellgesetz eingestellt werden. Auch war das Unternehmen stets mit anderen Vorwürfen, etwa Kooperation mit afrikanischen Diktatoren oder Ausbeutung der Lohnarbeiter, konfrontiert.

Sein Diamanten-Imperium nach seinem Tod

Als Ernst Oppenheimer 1957 verstarb, wurde sein Syndikat von seinem Sohn Harry Frederick übernommen. Allerdings musste wiederum sein Sohn Nicholas „Nicky“ F. (geboren 8. Juni 1945), seit 1968 bei der Anglo American, an Macht abgeben. Dies geschah, als im Jahr 1982 zum ersten Mal ein Amerikaner dessen Führung übernahm – bis heute. Bis dahin kontrollierten die Oppenheimers quasi das gesamte Wirtschaftsleben in Südafrika. Nicky Oppenheimer konzentrierte sich von nun an auf De Beers. Doch auch dieser unternehmerische Kern der Oppenheimer-Familie verlor einen Teil seiner Macht: Heute hält der Staat Botswana 15 %, die Anglo American 45 % und die Oppenheimer-Dynastie nur noch 40 % am Kapital. Dies hängt auch mit dem Zusammenbruch des Vermarktungsmonopols zusammen, da nun auch Diamanten aus Russland und Australien verstärkt den Markt versorgten. Nach dem Forbes Magazin verwaltet Nicky ein Vermögen von sechs Milliarden US-Dollar.

Wegen Imageproblemen musste 2001 die Central Selling Organisation von Anglo American aufgelöst werden. Im Jahr 2004 bereitete De Beers zum Vorwurf der Kartellbildung ein Schuldeingeständnis gegenüber den USA vor. Benennungen und Ehrungen

Eine Brücke zwischen Oranjemund (Namibia) und Alexander Bay (Südafrika, Provinz Nordkap) erhielt den Namen Ernest-Oppenheimer-Brücke. Auch eine Gedenktafel im Friedberger Judenbad erinnert an ihn.

Literatur

  • Claudia Bröll: Diamantenzaren mit deutschen Wurzeln, in: FAZ (30.08.2008).
  • Bartholomäus Grill: Herr der Diamanten. Globalisierung brutal: Wie Ernest Oppenheimer ein Edelstein-Imperium schuf, in: DIE ZEIT Nº 41/2003 (Online seit: 2. Oktober 2003).
de/personen/unternehmer/ernst_oppenheimer.txt · Zuletzt geändert: 2015/05/05 10:00 (Externe Bearbeitung)