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Johannes von Miquel

Mitbegründer des Deutschen Kolonialvereins

Johannes von Miquel (*19. Februar 1828 in Neuenhaus bei Göttingen, † 8. September 1901 in Frankfurt am Main) war ein preußischer Finanzminister und Mitbegründer des Deutschen Kolonialvereins.

Johannes von Miquel entstammte einer französischen Familie, die aus Cahors nach Düsseldorf ausgewandert war. Miquel studierte von 1846 bis 1849 Rechtswissenschaften in Heidelberg und Göttingen. Zuerst war er politisch links orientiert und Mitglied der Burschenschaft Neckarbund Heidelberg. Er unterhielt sogar Kontakte zu Karl Marx und war bis 1852 auch Mitglied des illegalen Bundes der Kommunisten. Ab 1854 arbeitete er als Rechtsanwalt in Göttingen und wechselte zunehmend zum Liberalismus. 1859 war er Mitbegründer des Nationalvereins und bekleidete eine Reihe von öffentlichen Ämtern.

Im Jahr 1867 hatte er die Nationalliberale Partei mitbegründet und war von 1867 bis 1882 im Preußischen Abgeordnetenhaus als dessen Führer des rechten Flügels vertreten. Dass er politisch stetig nach rechts rückte, äußerte sich auch in seinem zunehmenden Interesse an einer aktiveren Kolonialpolitik: 1882 war er eines der Gründungsmitglieder des Deutschen Kolonialvereins.

Oberbürgermeister in Frankfurt am Main

In den Jahren 1865 bis 1870 sowie 1876 bis 1880 war er Oberbürgermeister von Osnabrück, dann wurde er 1880 zum Oberbürgermeister von Frankfurt am Main berufen. Mit seiner hervorragenden Sozial- und Finanzpolitik entwickelte sich die Stadt zu einer aufstrebenden Metropole. So reformierte er beispielsweise die Armenfürsorge, förderte den Sozialen Wohnungsbau und errichtete wichtige Bauwerke. Zu diesen gehören unter anderem der Neubau des Westhafens (1886) und des Hauptbahnhofs (1888), die Kanalisierung des Mains und der Bau der ersten Kläranlage (1882).

Preußischer Finanzminister

Kaiser Wilhelm II. berief ihn im Jahr 1890 zum Finanzminister nach Berlin. Dort reformierte er das preußische Steuersystem mit damals revolutionären Elementen wie Einkommenssteuer, Vermögenssteuer und Gewerbesteuer. Dieses „Kommunalabgabengesetz“ vom 14. Juli 1893 ist in seinen Grundzügen noch heute gültig; seine Reform ist auch als „Miquelsche Steuerreform“ bekannt. Im Jahr 1897 wurde er Vizepräsident des Staatsministeriums und am 14. April 1897 in den Adelsstand erhoben. Mit dem Scheitern eines Kanalbaugesetzes war er am 5. Mai 1901 zum Rücktritt gezwungen, wurde aber erneut Mitglied des Preußischen Herrenhauses. Dessen Mitglied war er bereits 1882 bis 1890 gewesen. Er starb am 8. September desselben Jahres in seinem Haus in Frankfurt am Main.

Würdigungen

Schon am 1. Juli 1890 hatte er das Ehrenbürgerrecht der Stadt Frankfurt am Main erhalten; sein Ehrengrab befindet sich auf dem Frankfurter Hauptfriedhof (Gewann D 297). In seiner Geburtsstadt Neuenhaus, in Lingen, sowie in Osnabrück und Berlin sind Straßen nach im benannt. Auch ein Teil des Frankfurter Alleenrings ist nach ihm benannt. Anlässlich seines 70. Geburtstags beauftragte der damalige Kultusminister Robert Bosse den Bildhauer Ferdinand Hartzer mit der Anfertigung einer Marmorbüste von Johannes Miquel. Diese wurde im Gymnasium Georgianum in Lingen ausgestellt, weitere Exemplare wurden im Kestnermuseum in Hannover und im Festsaal des Rathauses in Frankfurt präsentiert. Außerdem wurde Johannes Miquel in die Ehrengalerie des niedersächsischen Sports des Niedersächsischen Instituts für Sportgeschichte aufgenommen und erhielt von der Universität Berlin die Würde eines Dr. iur. h.c. im Jahr 1877.

Literatur

  • Rita Aldenhoff: Miquel, Johannes von. In: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 553 f. [Onlinefassung].
  • Thorsten Kassner: Der Steuerreformer Johannes von Miquel. Leben und Werk. Zum 100. Todestag des preußischen Finanzministers. Ein Beitrag zur Entwicklung des Steuerrechts, Osnabrück 2001.
  • Alfons Pausch: Johannes von Miquel. Sein Leben und Werk, Stuttgart 1964.
de/personen/politiker_und_propagandisten/johannes_von_miquel.txt · Zuletzt geändert: 2015/05/05 10:00 (Externe Bearbeitung)