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Bernhard Grzimek

Moderator, Autor, Tierforscher

Bernhard Klemens Maria Hoffbauer Pius Grzimek (*24. April 1909 in Neiße, Oberschlesien; † 13. März 1987 in Frankfurt am Main) war Tierarzt und Verhaltensforscher sowie von 1945 bis 1974 Direktor des Frankfurter Zoos. Durch seine Fernsehmoderationen im Hessischen Rundfunk in den 1960er und 1970er Jahren war er der bekannteste Tierfachmann Westdeutschlands. Sein Dokumentarfilm „Serengeti darf nicht sterben“ erhielt als erster deutscher Film nach dem Zweiten Weltkrieg einen Oscar.

Ausbildung und erste Forschungen

Bernhard Grzimek studierte ab 1928 Veterinärmedizin in Leipzig und Berlin. 1933 erfolgte die Promotion zum Dr. med. vet. Schon mit 19 Jahren wurde er für volljährig erklärt, da sein Vater bereits vor 15 Jahren verstorben war und er daher seinen Lebensunterhalt als Leiter eines landwirtschaftlichen Betriebs mit Geflügelfarm und Spargelplantage bei Erkner selbst verdienen musste. Bereits von Februar 1933 bis Herbst 1933 war er Sachverständiger im Preußischen Landwirtschaftsministerium, dann Referent im Reichsnährstand bis zum Jahr 1937. Er arbeitete anschließend ab Januar 1938 als Regierungsrat im Reichsernährungsministerium, bevor am 8. Mai 1945 alle deutschen Regierungsstellen aufgelöst wurden. Daneben beschäftigte er sich intensiv mit der Verhaltenskunde, insbesondere mit Menschenaffen und Wölfen. Seine ersten Studien erschienen unter anderem in der bekannten Zeitschrift für Tierpsychologie. Zudemschrieb er Kolumnen für das in Frankfurt am Main ansässige Illustrierte Blatt. Während des Zweiten Weltkrieges war Bernhard Grzimek als Veterinär in der Wehrmacht tätig. Dies nutzte er unter anderen für Studien zur Farbwahrnehmung und zum Heimfindeverhalten von Militärpferden sowie für Arbeiten mit Elefanten.

Flucht nach Frankfurt am Main und Wiederaufbau des Zoos

Nachdem die Gestapo 1945 seine Berliner Wohnung durchsucht hatte - Grzimek versorgte mehrmals Juden mit Lebensmitteln –, flüchtete er aus Berlin zuerst nach Detmold, dann im März nach Frankfurt am Main. Dort hatten die US-Militärs den ehemaligen Leiter des Frankfurter Illustrierten Blattes, Wilhelm Hollbach, als provisorischen Oberbürgermeister eingesetzt. Am 1. Mai 1945 wurde er zum Direktor des Zoologischen Gartens berufen, und war als solcher Hollbach direkt unterstellt. Dieses Amt sollte er bis zu seiner Pensionierung am 30. April 1974 innehaben. Daneben war er bis zu seinem Tod 1987 Präsident der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. Der Frankfurter Zoo war durch die Bombenangriffe völlig zerstört worden und es hatten nur zwanzig größere Tiere überlebt. Die Schließung war schon verfügt worden, doch Grzimek nutzte die chaotische Lage zum provisorischen Wiederaufbau. Der Zoo konnte bereits am 1. Juli 1945 wieder eröffnet werden und erreichte Ende 1945 mehr als doppelt so viele Besucherzahlen als vor dem Krieg. Durch diesen enormen Erfolg erreichte er von der provisorischen Stadtverwaltung und den US-Militärs seinen Erhalt. Bis Ende 1947 war der Zoo sogar der größte Vergnügungspark in Hessen.

Engagement für Afrikas Wildtiere als Moderator, Tierfilmer und Autor

Um Tiere für seinen Zoo einzufangen und zugleich Studien für eine „artgerechte Haltung“ anzufertigen, unternahm Bernhard Grzimek Anfang der 1950er Jahre mehrere Reisen nach Afrika. Hierbei wurde ihm die große Gefährdung der afrikanischen Tierwelt durch die Menschensiedlungen bewusst. Dies bewegte ihn zu einem lebenslangen Engagement für Afrikas Wildtiere. Dabei machte er sich das neue Massenmedium, das Fernsehen, zu Nutze. Ab Ende der 50er Jahre moderierte Grzimek regelmäßig Fernsehsendungen. Die am 28. Oktober 1956 erstmals ausgestrahlte hr-Sendereihe „Ein Platz für Tiere“ machte ihn berühmt. Darin brachte er Tiere aus dem Frankfurter Zoo mit, auch Raubtiere. Am Ende der Sendung bat er um Spenden für die „Hilfe für die bedrohte Tierwelt“. Die Reihe erreichte 175 Folgen; die 150. wurde im Jahr 1980 ausgestrahlt. Bernhard Grzimek betätigte sich mit großem Erfolg auch als Buchautor und Tierfilmer. 1956 entstand zunächst das Buch „Kein Platz für wilde Tiere“, das in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde und erheblich zur Einrichtung von Naturreservaten in Afrika beitrug. Der gleichnamige Tier- und Urwaldfilm wurde mit dem Bundesfilmpreis und den Goldenen Bären ausgezeichnet. Sein 1960 mit einem Oscar ausgezeichneter Film „Serengeti darf nicht sterben“ entstand im Jahr 1958/59. Bei den Dreharbeiten verstarb allerdings Grzimeks Sohn Michael, mit dem er an den Projekten gearbeitet hatte, bei einem Flugzeugabsturz. Er wurde am Ngorongoro-Krater in Serengeti beigesetzt. Zwischen 1967 und 1974 wurde Bernhard Grzimek zum Herausgeber der 13-bändigen Enzyklopädie Grzimeks Tierleben. Grzimek war außerdem von 1970 bis 1973 Beauftragter der deutschen Bundesregierung für den Naturschutz und gründete 1975 mit Horst Stern und anderen Umweltschützern den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Bernhard Grzimek verstarb am 13. März 1987 während einer Tigervorstellung des Zirkus Althoff in Frankfurt am Main; seine Urne wurde später in Tansania neben seinem Sohn beigesetzt. Dem Tod Grzimeks folgten langjährige Erbstreitigkeiten um seinen materiellen und schöpferischen Nachlass.

Literatur

  • Jens Ivo Engels: Von der Sorge um die Tiere zur Sorge um die Umwelt. Tiersendungen als Umweltpolitik in Westdeutschland zwischen 1950 und 1980, in: Archiv für Sozialgeschichte 43 (2003), Heft 1, S. 297-324.
  • Bernhard Gißibl/Johannes Paulmann: „Serengeti darf nicht sterben“, in: Jürgen Zimmerer (Hg.): Kein Platz an der Sonne. Erinnerungsorte der deutschen Kolonialgeschichte, Frankfurt/Main 2013, S. 96-108.
  • Franziska Torma: „Serengeti darf nicht sterben“, in: Frank Uekötter (Hg.): Ökologische Erinnerungsorte, Göttingen 2014, S. 133-156.
de/personen/kuenstler_und_baumeister/bernhard_grzimek.txt · Zuletzt geändert: 2015/05/05 10:00 (Externe Bearbeitung)