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Adam Mischlich

Sprachforscher in Afrika

Adam Mischlich (* 28. März 1864 in Nauheim bei Großgerau, † 13. Dezember 1948 in Frankfurt-Praunheim) war ein Afrikaforscher, der sich mit der Sprache und Kultur des Haussa-Volkes beschäftigte.

Nach dem Realschulabschluss in Darmstadt begann er ab 1885 eine Ausbildung im Baseler Missionshaus zum „Heidenmissionar“. Nach fünf Jahren wurde er in Nauheim als Missionar ordiniert und begab sich danach kurzzeitig nach England, um seine Sprachkenntnisse zu perfektionieren. Ende 1890 reiste er an die Goldküste (heute Ghana), um die „Gä“- und „Twi“-Sprache zu erlernen. Über seine Erlebnisse berichtete er im „Evangelischen Heidenboten“ unter den Titeln „Die ersten Wochen in Afrika“ (1891, Nr. 9) und „Wichtige Tage für das Kroboland“ (1892, Nr. 11). Im Jahr 1894 folgte seine zweite Aussendung, über die er im „Hessischen Evangelischen Sonntagsblatt (8. Jahrg.) berichtete. Danach folgte die Stationierung in Warowora in Togo. Von dort unternahm er größere Erkundungsreisen nach Mittel- und Nordtogo bis zur Grenze von Französisch-Dahomey. Auch darüber verfasste er mehrere Aufsätze. Dabei fertigte er genaue topographische Aufnahmen, Karten und Landschaftsbilder an. Seine Beobachtungen von Land und Leuten veröffentlichte er im „Missionsmagazin“ und in den „Mitteilungen aus den deutschen Schutzgebieten“.

Leiter der Regierungsstation „Kete-Kratschi“ in Togo

1897 schied er aus der Basler Mission und trat als Mitarbeiter des Grafen von Zech, des Leiters der Inlandstation von Krete-Kratschi, in den Dienst des Gouvernements von Togo. Als von Zech der neue Gouverneur von Togo wurde, übernahm Mischlich 1898 dessen Stelle als Leiter der Regierungsstation. Zunächst widmete er sich der Infrastruktur und ließ breite, befahrbare Straßen sowie Brücken bauen. Daneben richtete er meteorologische Stationen ein und unternahm „Versuchspflanzungen“ – beispielsweise von Tiekbäumen, Mahaghoni, Ebenholz, Ölpalmen, Mangopflaumen, Orangen, Zitronen, Ananas und Kaffee. Sein „Bericht über die Versuchspflanzungen im Bezirk Krete-Kratschi“ (Dezember 1908) erschien im „Amtsblatt für das Schutzgebiet Togo“ (4. Jahrg., Lome 1909, Nr. 36, S. 255-260).

Erforschung der Haussa-Sprache

Bereits 1897 widmete er sich der Volkskunde. Seinen ersten Bericht über das „Verbot der nationalen Gebräuche in Krobo“ verfasste er im August 1897 in Bismarckburg; er wurde im 26. Jahresbericht des Vereins für Erdkunde in Dresden publiziert. Sein Hauptinteresse galt nun der Erforschung des Haussa, der Hauptverkehrs- und Handelssprache im zentralen Westafrika. Die Kultur des Haussa-Volks, das um 1400 den Islam angenommen hatte, war ebenfalls sein Forschungsfeld. Es folgten mehrere sprachwissenschaftliche Publikationen, unter anderem das „Lehrbuch der hausanischen Sprache“ (1902, 2. Auflage 1911), das „Wörterbuch der Hausasprache, I. Teil Hausa-Deutsch“ (1906) sowie der „Metoula-Sprachführer“ (1914). Für seine Sprachforschungen erhielt er zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen von mehreren völkerkundlichen Vereinen und Instituten, die er mit seinen ethnographischen und naturkundlichen Sammlungen unterstützt hatte. So zum Beispiel vom Verein für orientalische Sprachen in Frankfurt am Main, der ihn 1912 zum Ehrenmitglied ernannte. Er erwarb damit nicht nur einen festen Platz in der deutschen Afrikanistik, sondern auch internationale Anerkennung. So wurde er nicht nur Mitglied und Mitarbeiter beim International Institute of African Languages and Cultures in London, sondern erhielt auch die Volney-Medaille vom Institut de France und einen Professoren-Titel.

Während des Ersten Weltkriegs arbeitete Adam Mischlich als Lazarettinspektor in Auerbach. Durch den Versailler Vertrag 1919 und dem Verlust aller deutschen Kolonialgebiete war eine weitere Tätigkeit in Afrika zunächst schwierig. Dennoch erhielt er im Jahr 1926 den Auftrag einer Hamburger Firma, noch einmal für elf Monate in Nigeria zu forschen, dem Zentralgebiet der Haussa. Somit vertiefte Mischlich seine Sprachforschungen, dokumentierte aber auch Kriegslieder und religiöse Gesänge, die er in drei noch nicht veröffentlichten Bänden anhäufte. Er sammelte dabei auch historische Texte anderer Volksgruppen der Umgebung, wie der Mossi und Gurunsi.

Rund 50 Märchen veröffentlichte Mischlich Im Jahr 1929 unter dem Titel „Neue Märchen aus Afrika“ in Band 9 der „Veröffentlichungen des Staatlich-sächsischen Forschungsinstitutes für Völkerkunde in Leipzig“. Sprichwörter und Volkspoesie erschienen in seinem „Lehrbuch der Haussasprache“ und den von Carl Meinhof herausgegebenen „Afrikanischen Märchen“ (Jena 1917, Nr. 55 „der Schakal“, S. 136-238). Adam Mischlich arbeitete viele Jahre mit Imam Umaru aus Kano zusammen, bei der Märchensammlung von 1926 war Malam Labaran aus Zaria sein Helfer. Dieser schrieb entweder die Märchen auf Arabisch nieder oder diktierte sie.

Literatur

  • Karl Esselborn: Hessische Lebensläufe, in: Friedrich Knöpp (Hg.), Darmstadt 1979, S. 276-279. Erstdruck: Die Heimat. 6. Jg. (1930), Heft 1, S. 11-13, u. d. T.: „Ein hessischer Afrikaforscher“.
  • Hilke Meyer-Bahlburg: „Mischlich, Adam“, in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 562 f.
de/personen/entdecker_und_erforscher/adam_mischlich.txt · Zuletzt geändert: 2015/05/05 10:00 (Externe Bearbeitung)