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Postkarten

Postkarten gehören als Erscheinungsform des Kolonialismus in der Alltagskultur zu den noch vergleichsweise wenig untersuchten Quellen. Grundsätzlich lässt sich unterscheiden zwischen bunten, von grafisch gestalteten Postkarten, und Ansichtskarten, die meist fotografische Motive abbildeten. Während die Postkarten eher Gemeinsamkeiten mit Reklamebildern und Werbung aufweisen, insofern sie meist typische koloniale Botschaften oder Stereotype zeigen, bieten Ansichtskarten einen sehr persönlichen Einblick in die Wahrnehmung der Kolonien und der kolonialen Wirklichkeit. Ansichtkarten haben ein Motiv, einen Hintergrund, sie haben eine Umgebung und versuchen in der Regel, die Stimmung oder eine Botschaft des Absenders wiederzugeben. Während der Platz für Mitteilungen begrenzt ist und sich der Text häufig auf Standardformulierungen beschränkt, drückt das Bild mehr aus: den Stolz, da zu sein, wo der andere (der Empfänger) nicht ist.

Die Verbindung zwischen den Post- und Ansichtskarten und „Hessen“ ist nicht immer leicht zu ziehen. Zwei Möglichkeiten, dieses Medium und den hier interessierenden geografischen Raum zusammenzubringen, liegen aber auf der Hand und sind anhand der beiden unten gezeigten Beispiele nachzuvollziehen. Während bei der gezeichneten Postkarte der Verlag (Adolf Zöller, Frankfurt) den Bezug herstellt, ist es im zweiten Beispiel der Postweg der Karte. Sie war im Februar 1909 von Windhuk (Deutsch-Südwestafrika, heute Namibia) nach Frankfurt geschickt worden.

Die gezeichnete Postkarte (veröffentlcht vor 1914) dokumentiert Männerfantasien, sie gehört zum Bereich der Sexualität. Die Afrikanerin und die Asiatin erscheinen ausschließlich als Objekte der männlichen (europäischen) Begierde. Dabei beherrschte die Sorge vor „Mischehen“ die öffentliche Debatte im Kaiserreich. Durch Erlasse der kaiserlichen Gouverneure wurden solche Verbindungen in Deutsch-Südwestafrika (1905), Deutsch-Ostafrika (1906) und Deutsch-Samoa (1912) verboten. Weiße, die sich mit Schwarzen einließen, würden „verkaffern“ und dadurch die „weiße Rasse“ gefährden, hieß es. Populäre Bildmedien, darunter Postkarten, nahmen sich des Themas an und bedienten sich dafür häufig der Karikatur.

Die Ansichtskarte zeigt eine Gruppe kriegsgefangener „Hottentotten“ mit Jutesäcken bekleidet und Halseisen tragend. Der Text dazu lautet: „Lieber Egon, besten Dank für die liebe Karte und Bild. Freue mich, daß es Dir gut geht und es Dir bei den Preußen gefällt. Werde ein treuer und tüchtiger Soldat. Schreibe bald einmal. Komma Mittwoch nach Station Kupferberg. Mit herzl. Gruß Dein treuer Bruder Erich“. Ansichtskarten bzw. Bildpostkarten wurden im Kaiserreich 1885 eingeführt und schon bald danach massenhaft produziert. Sie wurden in Buch- und Schreibwarenhandlungen, Kolonialwarenläden, Gaststätten, Hotels und Kinos, sowie auf Messen und bei Volksfesten angeboten.

Die Beispiele unten zeigen damit auch die thematische Spanne der Post- bzw. Ansichtskarten. Von Klischeevorstellungen und geichsam satirische verarbeiteten politischen Debatten bis hin zu Kriegsgefangenen-Bildern reichten die Themen. Ähnlich wie Reklamesammelbilder - wenngleich im Detail doch anders, weil persönlicher - transportierten die Karten koloniale Welten und Stereotype in die Wohnzimmer der Deutschen.

Literatur

  • Gerulf Augustin: Gruß aus Deutsch-Südwest. Ansichtskarten erzählen. Ein Bild-Lesebuch, Halle a. d. Saale 2009.
  • Joachim Zeller: Weiße Blicke-Schwarze Körper. Afrika im Spiegel westlicher Alltagskultur. Bilder aus der Sammlung Peter Weiss, Erfurt 2010.
de/koloniale_repraesentationen/postkarten.txt · Zuletzt geändert: 2015/05/05 10:00 (Externe Bearbeitung)