Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


de:koloniale_repraesentationen:alltagskultur

Alltagskultur

Beschäftigt man sich mit der Geschichte des Kolonialismus, dann kommt der Alltagskultur eine besondere Bedeutung zu. Verstanden seien unter Alltagskultur in einem ersten, gleichwohl für diesen Kontext ausreichenden Zugriff all diejenigen Gegenstände und Gebräuche, Traditionen und Repräsentationsformen, die von einer bestimmten Gemeinschaft während einer bestimmten Epoche geschaffen wurden und in einem weiteren Sinne dem Feld der „Kultur“ zugerechnet werden können (die also „Kultur“ sind, aber nicht unter die engeren Kultursparten wie „Literatur“, „Kunst“, „Musik“ etc. fallen) und deren Wirksamkeit sich nicht auf eine kleine gesellschaftliche Gruppe oder eine Elite beschränkt.[1] Für das Zeitalter des (Post-)Kolonialismus lassen sich beispielhaft Postkarten und Schulbuecher finden, die koloniale Themen und/oder Vorstellungen behandeln bzw. transportieren, sowie etliche Reklamesammelbilder mit kolonialen Motiven, aber auch Werbeikonen wie der Sarotti-Mohr.

All diese Phänomene gehören zum von der Forschung so genannten „volkstümlichen Kolonialismus“. Dieser stand im Dienste der nationalen Kolonialpropaganda und zielte darauf, den Kolonialgedanken in möglichst breiten Kreisen der Bevölkerung zu verankern und zu stärken. Für den Historiker bietet sich hier mehr noch als auf anderen Feldern die Möglichkeit, Spuren des Kolonialismus im Leben der „kleinen Leute“ zu finden und so gewissermaßen danach zu fragen, wo und wie der Kolonialismus als politische Entwicklung von der Makro- auf die Mikroebene transformiert wurde.

Auf diese Weise analysiert und kontextualisiert, bieten die Phänomene der Alltagskultur einen ganz eigenen Blick auf die Zeit des Kolonialismus, auf seine Akteure und Hintergründe im Heimatland wie auf Vorstellungen und Stereotype von den/dem „Fremden“.

Literatur

de/koloniale_repraesentationen/alltagskultur.txt · Zuletzt geändert: 2015/05/05 10:00 (Externe Bearbeitung)