Nachruf Prof. Dr. Dietrich Barsch, Heidelberg

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Am 23. Mai 2018, kurz vor seinem 82. Geburtstag, verstarb Prof. Dr. Dietrich Barsch. Geboren in Erfurt legte Dietrich Barsch mit dem Studium der Geographie, Mathematik, Philosophie und Geologie an den Universitäten Kiel und Bonn die Grundlagen für seine wissenschaftliche Karriere. Nach der Promotion, 1962 in Bonn, wechselte er an die Universität Basel, wo er sich 1968 habilitierte. Die internationale Ausrichtung von Dietrich Barsch wurde schon 1969 mit Auslandsaufenthalten in Baton Rouge und Tempe (USA) deutlich. 1972 wurde er auf eine Professur an die Universität Kiel berufen, 1974 wechselte er auf einen Lehrstuhl für Geographie der Universität Heidelberg, den er bis zu seinem überraschenden krankheitsbedingten Ausscheiden aus dem aktiven Dienst am 30.10.1998 inne hatte.
Dietrich Barsch war ein außergewöhnlich dynamischer Wissenschaftler mit besonderer Ausstrahlungskraft, mit der er sein wissenschaftliches Umfeld zu prägen und seine Schüler zu begeistern verstand. Seine große Leidenschaft galt den Hohen Breiten (Arktis, Westantarktis) und den Hochgebirgen (Anden, Alpen, Skandinavien), wo er sich besonders den permafrostgeprägten Formungsprozessen der Landoberfläche widmete. Neben verschiedenen Einzelprojekten wurde das Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft “Geomorphologische Kartierung in der BRD” (1976-1984) von ihm initiiert. Darüber hinaus leistete er zum Schwerpunktprogramm “Fluviale Geomorphodynamik im jüngeren Quartär” wesentliche Beiträge. Dietrich Barsch hat diese Forschungsarbeiten zeitgleich mit zahlreichen anwendungsorientierten Arbeiten, etwa zum dezentralen Hochwasserschutz und hydrologischen Fragen in der weiteren Umgebung von Heidelberg, durchgeführt. Dadurch wurde Dietrich Barsch einer der national wie international sichtbarsten Vertreter nicht nur in der Geomorphologie, sondern auch in der Geoökologie.
Dietrich Barsch war national wie international bestens vernetzt. Er war Erster Vorsitzender des Deutschen Arbeitskreises für Geomorphologie (1986-1990), Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Geographie (1989-1991) und Vorsitzender der International Association of Geomorphologists (1993-1997). Auch der Universität Heidelberg hat er für viele Aufgaben zur Verfügung gestanden, so war er u. a. Dekan der Fakultät für Geowissenschaften und Vorsitzender des Verwaltungsrates der Universität. Für seine Leistungen wurde er mehrfach geehrt. Im Jahr 2005 erhielt er in Berlin die Ferdinand-von-Richthofen-Medaille für seine Verdienste um die geomorphologische Forschung und steht damit in einer Reihe mit berühmten Forschern des 20. Jahrhunderts wie Sven Hedin oder Erich von Drygalski. Bis zuletzt interessierte er sich für die Geschehnisse an der Universität Heidelberg und die Entwicklungen in der Physischen Geographie. Das Geographische Institut und die Universität Heidelberg werden Dietrich Barsch ein ehrendes Andenken bewahren.

Olaf Bubenzer & Bernhard Eitel, Heidelberg
Foto: Dietrich Barsch am 3. Juni 2016 anlässlich eines Festkolloquiums zu seinem 80. Geburtstag (Foto: B. Mächtle).